Marrakech

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Blick über Marrakech


Marrakesch ist das "Tor zum Süden", die nördlichste Oasenstadt Marokkos und verfügt scheinbar über magisch anziehende zauberhafte Kräfte, denen nicht nur wir erliegen. Durch den großen Airport mit zahlreichen Flugverbindungen ist die Stadt ein hervorragender Ausgangspunkt Djemaa el-Fna Wasserverkäufer für Reisen in den Süden und Südosten Marokkos. Natürlich sollte man sich auch etwas Zeit nehmen, diese Stadt anzusehen, zu "erfahren". Ob jung oder alt - hier kommt jeder auf seine Kosten, findet etwas passendes.

Die zahlreichen architektonischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten sind in den Reiseführern beschrieben. Wir sind auch immer interessiert am Leben in der Stadt. Und das spielt sich hier wohl vor allem am zentralen Platz Marrakeschs, am Djemaa el-Fna ab. Das ist das Herz der Stadt: Freiluftrestaurant, Zirkus, Marktplatz, Theater, Treffpunkt und Informations- wie Beratungsstelle in einem.
Wir waren in Marrakesch erstmals 1991, ein kleiner Auszug unserer Erinnerung vom Djemaa el-Fna von vor 25 Jahren:

... Inzwischen war es 16 oder 17 Uhr, die größte Hitze war vorbei und wir bezogen "Beobachtungsposten" in einem Dachcafe am Djemaa el Fna. Der Platz zu unseren Füßen begann sich zu füllen. Ein kleiner Kreis bildete sich um 3 oder 4 junge Musiker, die ersten Händler begannen, ihre Waren auszubreiten und lautstark anzubieten. Von unserem Platz aus konnten wir gut beobachten, wie er sich im Laufe der nächsten Stunden immer mehr füllte. Und wie es immer lauter wurde, schließlich mußte man nun den Nachbarn, der grad noch nicht da war, übertönen! Um nichts von diesem Spektakel zu verpassen, wechselten wir schnell in ein kleines Hotel und mieteten ein geräumiges Zimmer. Das wichtigste war ein riesiger Balkon mit Blick auf den Platz, auf dem wir es uns schnell gemütlich machten, um von dem bunten Treiben nichts zu verpassen. Wir saßen bei Orangensaft und Djemaa el-Fna und Koutoubia-Moschee Urlaubskarten schreibend bis spät in die Nacht draußen, sahen einen ganz tollen Sonnenuntergang und betrachteten die Menschen, die geschäftig hin und her eilten, sich unterhielten, feilschten oder auch mal lautstark stritten. Immer wieder fuhren Eselskarren und Pferdewagen vorbei, überall schoben sich Mopeds mit Gehupe durch die Menge, Fahrräder, auf denen zwei Leute saßen, waren keine Seltenheit, ab und zu sah man auch mal ein Auto.
Irgendwann am späten Abend kam Bewegung in die Menge, aus uns nicht erklärbaren Gründen packten viele Händler urplötzlich ihre auf dem Fußboden auf einer Folie liegende Ware und rannten in alle Richtungen davon. Schlagartig war der Platz halbleer. Wir dachten an eine Polizeirazzia, konnten aber keinen Polizisten erkennen. Den Grund für diese sich später wiederholende Aktion, nachdem alle langsam wieder aufgetaucht waren und ihre alten Plätze eingenommen hatten, konnten wir leider nicht erfahren. Wie gebannt verfolgten wir das Geschehen auf dem Platz. Das Flair dieses Ortes und dieser Stadt ist einfach nicht beschreibbar, sicherlich ist sie auch deswegen so bekannt. Uns reizten hier weniger die Souks und die Bauwerke, wir waren fasziniert von der Ausstrahlung dieser Stadt.
Als wir gegen 2 Uhr ins Bett gingen, war das Treiben draußen immer noch nicht beendet, einige ganz hartnäckige Handler versuchten immer noch, ihre Ware an den Mann zu bringen. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, war der Handel draußen schon wieder in vollem Gange. im Souk Nach einem herrlichen Frühstück auf dem Hoteldach bummelten wir noch mal durch die Stadt.


Um 1965, also weitere 25 zurück Jahre beschreibt Dr. Wrage in seinem Buch "Jenseits des Atlas" den Platz:

"...erstreckt sich der Djemaa el Fna, der Platz, auf dem man einst die Schädel der Gerichteten zur Schau stellte und auf dem heute Tag für Tag, Abend für Abend das wilde Treiben des ursprünglichen marokkanischen Volkslebens den Reisenden aus dem fremden kalten Europa erschreckt, überrascht oder entzückt. Ein wirbelndes Durcheinander, nicht für den Tourismus frisiert, urwüchsig wie vor Jahrhunderten, auch wenn hier und da ein Fahrrad durch die Menge geschoben wird oder einige Männer Blue Jeans tragen. ...
Inzwischen ist die Sonne versunken. Aber das Treiben auf dem Platz vermindert sich kaum. Nur zur Gebetszeit, die vom nahe gelegenen Minarett verkündet wird, ist eine ... kaum erkennbare Abschwächung zu bemerken. Nun leuchten die Acetylenlampen auf, die jede Gruppe und jeder Händler entzündet. In ihrem gleißenden Licht wirken manche Gestalten noch unwirklicher, die Gewänder noch bunter und seltsamer. Die Schatten werden tiefer, die Gesichtszüge prägnanter oder geheimnisvoller. Es gehören gute Nerven und eine gute Gesundheit dazu, sich noch länger durch diese Menschenmassen treiben zu lassen. ... Wir schreiten vorüber an Friseuren, die das Haupt ihrer Kunden spiegelblank rasieren oder ihnen auch Schröpfköpfe ansetzen. Wir betrachten ... die Dinge, die auf diesem Platz feilgeboten werden. Bei ihnen mischen sich europäischer Schund und billige Massenware mit einheimischen Handwerkprodukten. Wir atmen noch einmal den Dunst aus Holzkohlenfeuern, aus Staub, Gewürzen, Minze und Menschen."

Ganz so rustikal wie damals ging es im Jahr 2016 nicht mehr zu, alles schien uns geplanter. Die Verkaufsstände waren vom Fußboden in kleine nebeneinander aufgereihte, feste und durchnumerierte Verkaufsbüdchen umgezogen, überall waren die Handelslizenzen ausgestellt. Dar Si Saïd Wir hatten den Eindruck, das vieles für Touristen ausgelegt war, die aber offensichtlich so zahlreich nicht waren. Dennoch: Immer wieder zog es uns zum Beobachtungsposten auf dem Dach des "Café de France" direkt neben "unserem" alten Quartier, der "Residence de la Place" von 1991. Es war faszinierend. Nach unserem Rundgang beginnend in den Saadier-Gräbern, vorbei am Stadttor Bab Aganaou zum "Storchenpalast" El Badi mit seinen herrlichen Gärten gings weiter zum Palast El Bahia.
Besonders bemerkenswert empfanden wir einen den Tag abschließenden Besuch im Museum für Marokkanische Kunst Dar Si Saïd, dessen Eingang etwas versteckt liegt. Wenn man den gefunden hat, ist man fast allein in einem kleinen Palais mit herrlichen Prunkgemächern und einem kleinen Garten. Ausgestellt sind hier vor allem älterer Schmuck, Gebrauchs- und Haushaltsgegenstände aus Keramik und Stoff. Erfreut waren wir, hier auch insgesamt 6 wunderschöne restaurierte Eingangstüren von Agadir-Speicherkammern zu finden. Eine wesentlich größere Auswahl von diesem wertvollen Kulturgut konnte im Antiquitäten-Souk betrachtet und natürlich auch erworben werden.
Auch hier - wie überall, wo wir bisher in Marokko waren- haben wir nicht allles geschafft; müssen nochmal wieder kommen.



Weitere Bilder zum Ort im Fotoalbum:

Fotoalbum Marrakesch
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