Felsgravuren in Marokko


Das Gebiet des heutigen Marokko ist bereits seit tausenden von Jahren von Menschen besiedelt. Dafür gibt es zahlreiche Zeitzeugen, zu denen auch die Felsgravuren gehören. Irgendwie befällt uns immer etwas Ehrfurcht, wenn wir vor einer stehen. Was hätten die für Geschichten zu erzählen ... wenn sie könnten.
Elefant Die Darstellungen sind sehr unterschiedlich, man findet abstrakte und figürliche Abbildungen von Tieren, Waffen, Schmuck und Jagdszenen gepunzt oder in Ritztechnik.
Die Altersbestimmung ist schwer und höchstens anhand der dargestellten Themen und des Zustandes der Gravuren möglich. Scheinbar gibt es zwei Hauptgruppen: Die ca. 2000 - 6000 Jahre alten Darstellungen der Jäger und Sammler der späten Steinzeit und die Darstellungen der Nomaden, die etwa 500 - 2000 Jahre alt sein könnten. Als Schöpfer der jüngeren Kunst stehen auf jeden Fall die Berber fest, für die älteren Schöpfungen ist selbst das unklar. Die Darstellung der längst hier ausgestorbenen Tiere wie Elefanten und Giraffen wird dabei der älteren Epoche zugeordnet, die Wiedergabe von Werkzeug, Schmuck und Gegenständen des täglichen Bedarfes wird auf die jüngere Epoche datiert. Meist handelt es sich um kleinformatige, skizzenhafte Abbildungen ohne komplexe Zusammenhänge. Es wird deswegen angenommen, dass die Schöpfer das als kurzweiligen Zeitvertreib betrachteten und in der Regel kaum religiöse Hintergründe eine Rolle gespielt haben mögen.
Im Hohen Atlas befinden sich die bekannten Fundorte wie die bei Oukaïmeden und Yagour. Zahlreiche Funde gibt es an den alten Siedlungsgebieten am Flussgebiet des Draa entlang des Randes der Sahara wie z.B. in Oum-el-Alek.

Region Amtoudi / Aït Herbil

In der Oase Amtoudi gibt es zahlreiche leicht zugängliche Funde aus allen Epochen zu entdecken. Gern zitiere ich hier wieder aus Dr. Werner Wrage: "Jenseits des Atlas - Unter den Berbern Südmarokkos". Besser kann man die Gravuren auf und an Agadir Id Aissa nicht schildern und an diesem Beispiel versuchen, auch allgemein gültiges zu erklären:

Felsgravuren Id Aissa Zum Foto links: "Doch da stutze ich. Was ist das? Die Steinplatte ist mit Felszeichnungen bedeckt. Deutlich erkennen wir die vertieft eingeschlagenen Umrisse zweier nebeneinanderstehender Fußsohlen, die nach Osten gerichtet sind. Und unmittelbar daneben noch einmal dieselbe Gravur, allerdings etwas roher gepunzt und anscheinend jünger, denn die Linien erscheinen heller. Diese „Fußspuren Gottes", der auf heiligen Bergen oder Felsen landet, sind ein in den vorgeschichtlichen Felsbildern aller Zonen nicht seltenes Motiv. ... Natürlich ist die Deutung „Fußstapfen Gottes" ein wenig phantasievoll. Man hat wohl auch andere magische Vorstellungen damit verknüpft. Ein solcher Fußumriß könnte zum Beispiel das „In-Besitz-nehmen” ausdrücken. Niemand weiß es genau. Aber hier auf dem heiligen Felsen, auf dem die Berber vor langer Zeit ihre Speicherburg bauten, damit sie im Schutz der Götter an geweihtem Ort lag, erscheint mir die erste Deutung nicht so unglaubhaft.
Nahe bei diesen Felsgravuren ... entdecken wir noch andere Linien, die ebenfalls vielleicht Menschenhände eingegraben haben. Sie sind älter und von einer schwarzen Patina überzogen. Es will uns scheinen, als ob sie primitive Strichwesen darstellten; aber wir können keinen Sinn in diese Rillen bringen. ... Zudem hat man später andere Zeichen - wiederum Fußsohlen, aber auch Kreise, Hufeisen und Dreiecke - darüber eingeschlagen, so daß ich diese Figuren nicht entziffern kann. Daß es aber natürliche Linien sind, glaube ich nicht recht. Sie entsprechen weder der Struktur des Gesteins, noch kann ich sie mir aus der Verwitterung erklären.
Doch neben diesen geometrischen Zeichen finden wir auch noch andere Felsbilder. Sie sind augenscheinlich jüngeren Datums. Die Schlagspur ist grob und hell. Seltsam ist ein Linienspiel, das an zwei Hakenpflüge erinnert, dazwischen ein aus Strichen zusammengesetztes gehörntes Tier. Ganz anders im Stil - flächenhaft ausgepunzt - steht daneben ein Kamel, das ein kleiner, in der Luft zappelnder Mann am Halfter hält. Da das Kamel wahrscheinlich erst in geschichtlicher Zeit nach Nordafrika eingedrungen ist, muß dieses Bild jünger sein. Am jüngsten aber ist sicher die Darstellung zweier Gewehre, eines davon zeigt deutlich den Typ der berberischen Feuersteinflinten. ...
Felsgravuren Id Aissa Zum Foto links: Auf der durch die Isolation mit einer schwärzlich glänzenden Wüstenpatina überzogenen roten glatten Felsplatte, die jetzt violett den blauen Himmel wiederspiegelt, erkennen wir deutlich gepunzte Abbildungen von Tieren. Sie sind künstlerisch viel hochwertiger als etwa die Kameldarstellung oben in der Burg. Der Linienverlauf und die Proportionen begeistern Reelfs geradezu. Es sind Antilopen, bei denen sogar die Fellzeichnung angedeutet ist. Vier männliche Tiere bilden einen Fries. Dahinter erscheint ein etwas unförmiges geflecktes Tier mit langem Hals, eine Giraffe."

In Amtoudi gibt es zahlreiche weitere Fundstellen aller Epochen: Oberhalb vom Agadir Agellouy fanden wir einige, auch beidseits am Taleingang gibt es interessante und gut erhaltene Darstellungen zu entdecken.

Region Tafraout

Felsgravuren Tafraout

Bei den Gravuren hier wird immer wieder hinterfragt, ob eine oder beide wirklich mehr als 500 Jahre alt oder deutlich jüngeren Datums sein könnten? Oder ob sie mal "aufgefrischt" wurden? Dennoch - sie sind gut erreichbar und auffindbar - sollen sie hier erwähnt werden. Die Fachwelt meint meistenteils, die hier im Foto abgebildete sei die echte.
Weitere befinden sich im Ammelntal und "hinter" Aït Mansour, an einer Piste in Ukas. Bei letzteren ist aber unklar, ob sie möglicherweise in jüngster Vergangenheit vernichtet wurden.

Region Djebel Siroua (Jbel Sirwa)

Felsgravuren Teinant (Tainate)

Nur zu Fuß nach einer längeren Wanderung durch eine herrliche Landschaft führend sind die Felsgravuren bei Teinant (Tainate) erreichbar.
in wirklich malerischer Umgebung ist hier alles beeinander: Darstellungen aus vorislamischer Zeit und neuere Abbildungen sind hier auf relativ engem Raum beeinander. Ganz in der Nähe befindet sich auch ein Tumulus, ein Hügelgrab. Symbolhafte Darstellungen wie die schon aus Amtoudi bekannten Fußstapfen und geometrische Muster -stark verwittert- in den harten, liegenden Gesteinsplatten. Sonnenräder, Menschen- und Tierdarstellungen, Waffen, selbst Musikinstrumente in der senkrecht darüber stehenden Sandsteinwand.

Region Boutroch

Parc des Gravures Ruprestres

Der Grundriss eines Wildgeheges, doch eher vom Berber-Traumhaus oder von einer Speicherburg? Wir haben alle drei Deutungen erfahren. Auf jeden Fall wohl mit ca. 500 Jahren die "moderne Kunst" der Felsgravuren. Ein Zeitvertreib der Viehhirten, die in der fruchtbaren Jahreszeit hier mit ihren Herden unterwegs waren und den lieben langen Tag etwas zu tun haben oder einfach an "zu Hause", Frau und Familie erinnert werden wollten?
Und so gravierten sie in die in einem ca. 1km im Durchmesser messenden Kreis liegenden schräg angeordneten Steinplatten Dinge des Alltages: Eine Waage, Waffen wie Messer, Krummdolche, Flinten und Speere. Und auch einfache geometrische Formen, Schmuck von Frauen. Die Qualitäten und künstlerischen Fähigkeiten sind sehr unterschiedlich: Mal als Skizze schnell "dahin geworfen", manchmal fein und fast detailverliebt und verspielt ausgeführt. Offensichtlich von mehreren unterschiedlichen Schöpfern?
Parc des Gravures Ruprestres Auch der Erhaltungszustand ist sehr unterschiedlich: Manche Darstellungen sind hervorragend selbst von weitem zu erkennen, manche kaum noch vorhanden und eher nur zu ahnen. Leider wurde die ein oder andere Zeichnung in letzter Zeit "ergänzt" oder gar neu gefertigt. Aus einem Krummdolch wurde ein Dampfer, Fußabdrücke erhielten Sohlenprofile, ein Hahn kam dazu...
Über eine gute Piste ist der "Parc des Gravures Ruprestres" relativ gut erreichbar, hier kann man bestimmt einen Tag lang im Kreis laufen und auf Erkundungstour gehen! Ziemlich schnell bekommt man hier durch die zahlreichen Funde, die den direkten Vergleich ermöglichen und mit etwas Gespür und Menschenverstand heraus, was echt ist und was nicht.

Region Icht

Felsgravuren Icht

Um Icht wurden bislang mehr als 35 Fundstellen von Felsgravuren, den Zeitzeugen früher Nutzung des ehemals sehr fruchtbaren Land durch Nomaden entdeckt. Hier gibt es neben symbolhaften Darstellungen auch Abbildungen von Elefanten und gar Tigern (?). Einige davon sind nicht weit entfernt im Tal des Assif Tamanart und einfach mit einem normalen PKW erreichbar.
Für die zahlreichen weiteren Fundstellen empfiehlt sich ein 4x4.

Region Assa

Felsgravuren Assa

Assa ist für einen Tagesausflug von der Oase Tighmert und auch von Icht und Fam el Hisn aus gut erreichbar. Es liegt nahe am Wadi Draa und gehört deswegen zum ursprünglichen Siedlungsgebiet. Zahlreiche Felsgravuren beweisen das. Auch hier wieder zumeist die "Skizzen" der Nomaden, teilweise an der Straße zwischen Guelmim und Assa abstrakter Art oder -wie hier auf dem Foto- zwischen Assa und Fam El Hisn konkreter Art. Einige Fundstellen liegen nur wenige hundert Meter neben der asphaltierten Straße und sind zu Fuß von dort aus gut erreichbar.

weiterführende Informationen:

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