Souks / Märkte in Marokko


Souk

Marrakech

Ob Einkaufsmuffel oder nicht - die Märkte, die Souks in Marokko faszinieren jeden. Einfach weil für jeden etwas dabei ist. Aber das Einkaufen hier spielte in der Vergangenheit nicht die - heute meist - übergeordnete Rolle.
In größeren Ortschaften findet man den Souk immer als stationäre Einrichtung. In ländlicher Gegend existiert er regelmäßig wiederkehrend, meist wöchentlich als Wochenmarkt.
Traditionell hat der Souk (Suq) eine weitere, genauso wichtige Aufgabe als nur die Versorgung der ländlichen weit verstreut wohnenden Bevölkerung mit allem Notwendigen wie z.B. Lebensmitteln oder Waren des täglichen Bedarfs. Man aß zusammen, trank Tee. Es wurde hier direkt geschlachtet, Dienstleistungen wurden angeboten. Souk Man konnte hier seinem Maultier neue Hufeisen anpassen lassen oder sich einen Zahn ziehen... Für jede Frage, jedes Problem gab es hier eine Lösung.

Wer hier ein Geschäft, einen Stand betreibt, gehört dazu - zum Sozialgefüge der großen Souk-Gemeinschaft. Handel und Handwerk sind hier miteinander verbunden, die Gewerke und Gewerbe treffen hier aufeinander. Hier traf und trifft man sich, um Neuigkeiten auszutauschen, alte Bekanntschaften zu pflegen und neue zu schließen, Geschäfte zu planen, Töchter zu versprechen, Hochzeiten anzubahnen, Familienfeste wie Beschneidungen zu organisieren... Souk Souk - das ist Radio, Fernsehen und Zeitung, Pflicht und Zerstreuung, auch Kunst und Kultur, die (eigentlich hier unglaubliche) Verbindung von reinem und unreinem Gewerbe - Souk ist bzw. war einfach alles.

In den auch manchmal außerhalb der Orte oder am Ortsrand liegenden Marktflecken herrschten eigene Gesetze, ein eigenes Leben: Konflikte unter Souk-Mitgliedern wurden hier intern geklärt, Feindschaften zwischen benachbarten Dörfern durften hier nicht ausgelebt, Urteile nicht vollstreckt werden. Befeindete Clans, Großfamilien durften hier einander nicht bekriegen. Der Marktbesuch war ein besonderes auch kulturelles Ereignis, ein besonderer Tag und oftmals ein tagesfüllendes Programm für die Besucher. Souk Ähnlich organisiert wie bei einem Agadir gab es auch hier einen Amin, einen Wächter, der sich um die Streitereien auf dem Marktgelände schlichtend kümmerte. Hier wurde Recht gesprochen.

Hier gibt es ein System - auch wenn man es nicht glauben mag, alles ist geordnet. Die Gewerke, die Zünfte sind fein sortiert direkt beieinander zu finden. Zumindest in den städtischen Bereichen ist davon nichts mehr übrig, der Souk ist auf das reine Handelsgeschäft geschrumpft. Aber auf so manchem Wochenmarkt in ländlicher Gegend glaubten wir, noch etwas von dieser Tradition war genommen zu haben. Souk In Tabant im Aït Bougoumez-Tal erlebten wir einen Markt, wo der Hufschmied noch vor Ort war und auf dem "Maultier-Parkplatz" Hufpflege angeboten hat, wo die Männer zum Tee zusammen saßen, Tiere nur nach Anforderung geschlachtet wurden und überhaupt alles sehr ursprünglich und familiär zu ging.
Manches hat sich den geänderten Anforderungen und Notwendigkeiten angepasst: Märkte, die üblicherweise einen Tag gingen, gibt es jetzt täglich wie z.B. den Souk El Had in Agadir: Früher ein Sonntagsmarkt, ist dieser inzwischen täglich außer montags geöffnet.
"Souk el Had" - Markt am Sonntag: Viele Märkte oder auch gleich die Marktflecken haben in ihre Bezeichnung einen Wochentag integriert Souk - das war traditionell der Markttag, der sich hier wieder findet. Manchmal passt das noch. So war es für jedermann ganz einfach, zu erkennen, wann Markttag in einer Region ist. Und wir empfehlen immer, bei der Tourenplanung mindestens einen der angeblich an die 1000 derartiger Märkte - vor allem ländliche - einzubeziehen und den Souvenierkauf entsprechend zu planen. Regionale Besonderheiten können so oftmals besonders günstig direkt beim Erzeuger bezogen werden und das Geld kommt auch direkt dort an und hilft, zum Lebensunterhalt beizutragen.
Bei Lebensmitteln gibt es Festpreise, eine Verhandlungsbasis ist nur bei anderen Produkten üblich.

Marktdaten:

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