Bergbau; Mineralien und Fossilien


Tagebau

Auf vielen alten Fotos sieht man die Bewohner der Bergregionen beim Hantieren mit Alltagsgegenständen vor allem aus Kupfer, die Damenwelt schmückte sich gern mit massivem Geschmeide vornehmlich aus Silber. Die Rohstoffe dafür kamen immer schon aus der Region und wurden auch hier verarbeitet.

Vor gut 150 Jahren, 1861 schilderte der Reiseschriftsteller und Afrikaforscher Gerhard Rohlfs in "Mein erster Aufenthalt in Marokko" seine Beobachtungen zum Kupfer-Bergbau in der Nähe von Taroudant:

Und wie ergiebig müssen erst die Kupferminen in der Nähe von Tarudant sein, wenn man bedenkt, auf wie primitive Art die Eingebornen dort eine solche Mine ausbeuten. Bergwerk Nach der Aussage der Eingebornen soll nicht nur dies Metall, sondern auch Gold, Silber, Eisen und Magneteisenstein in grosser Menge vorkommen.


1828, fast 200 Jahre zurück, steht in "Büffon's Naturgeschichte" über den Bergbau in Marokko seit Mitte des 17. Jahrhunderts:

Marmol redet von einem reichen Bergwerk, welches vor beinahe 2 Jahrhunderten in der Landschaft Suz im Königreiche Marokko in vollem Bau begriffen war, und er sagt, man hätte viel Kupfer und Messing daraus gewonnen und nach Europa verführt; auch erwähnt er der Bergwerke im Atlas in der Landschaft Sahara, wo man Gefäße aus Kupfer und Messing fertigte. Diese Bergwerke der Berberei und Marokkos liefern noch heutzutage eine sehr große Menge dieses Metalls...

Kalksteinbruch

Zahlreiche, oftmals verlassene kleine Bergwerke zeugen vom Reichtum des Anti-Atlas an Mineralien und Metallen. Es finden sich Vorkommen an Blei-, Mangan-, Zink-, Kobalt-, Kupfer- und Eisenerzen. Neben Salzminen gibt es auch Gold- und Silbervorkommen. Die Gebirgsränder sind stellenweise von Kalken umgeben.
Oftmals im Tagebau ausgebeutet, teilweise auch unter Tage wurden seit jeher zahlreiche Rohstoffe für wertvolle Materialien sowie Mineralien mit geringfügigem Maschineneinsatz überwiegend in mühsamer Handarbeit abgebaut. Zumeist erfolgte der Abbau durch die Bevölkerung im bescheidenen Maßstab zur Bestreitung des Lebensunterhaltes. Der industrielle Abbau spielte und spielt auch heute noch eine untergeordnete Rolle, nur in wenigen Minen wird aktuell gearbeitet. So wird derzeit in Abhängigkeit des Weltmarkt-Preises noch Kobalt, Gold, Silber, Kupfer und Marmor bzw. Kalk/Kalkstein gewonnen.

Marmorsteinbruch

Ungewöhnlich und selten sind die reichhaltigen Vorkommen aller Art auf engstem Raum. Das interessante und besondere ist beim Anti-Atlas aber neben der Vielfalt die zumeist völlig fehlende abdeckende Vegetation oder Bebauung und die lange ungehemmte Erosion, immerhin seit 300 Mio. Jahren. Deswegen werden viele Fundstellen direkt an der Oberfläche sichtbar. Die Erosion führt auch zu den lustigsten, teilweise bekannten Verwitterungsformen: Die "Affenpfoten" im Dadestal, die runden Säulen von Tizlit oder das Karst d’Imitek in der Nähe von Tata. Oftmals anzutreffende Pilzfelsen, Steinpyramiden, Wollsackverwitterungen und Inselberge sind eine weitere Folge.

Stollen

Umso spannender ist es, die alten stillgelegten kleinen Minen, die oftmals offenstehen zu erkunden. Aber auch noch aktiv betriebene Bergwerke können teilweise besichtigt werden.
Aufmerksam wird man darauf eigentlich immer zuerst auf die Abraumhalden: Schon von weither sichtbar sind die weißen oder hellgrauen Überreste der Kupferminen z.B. zwischen Igherm und Tata, der inzwischen fast abgetragene ehemalige Tafelberg (Marmorsteinbruch) zwischen Taroudant und Assads oder die Marmor/Kalksteinbrüche bei Aït Baha/Imi Mquorn. Schwerer erkennbar sind die inzwischen oftmals bewachsenen und farblich gut angepassten Halden der Erzbergwerke z.B. am Gebirgsrand zwischen Taroudant und Aït Baha. Aber in manchen Fällen sind die Minen noch nicht lange aufgegeben und die Einrichtungen baulich noch intakt.

Malachit+Azurit

Sehr dekorativ und schön anzusehen sind die blauen und grünen Steine, die man manchmal selbst in der Nähe von Kupfer-Minen finden oder aber auch bei zahlreichen Straßenhändlern käuflich erwerben kann. Zumeist handelt es sich hier um grünes Malachit- und blaues Azurithaltiges Gestein. Quarze gibt es in allen Formen, häufig u.a. als Bleikristall oder Amethyst. Andere, seltenere Mineralien werden ebenso angeboten.

Fossilien Mineralien

Ebenfalls selbst suchen und finden oder kaufen kann man in Marokko Fossilien, meist als zugeschnittene und polierte Steine. Nur in ganz wenigen Gegenden, den erdgeschichtlich jüngeren Teilen gibt es sie, der größte Teil des Anti-Atlas ist zu alt dafür. Dort, wo es welche gibt - beispielsweise am Djebel Saghro, wo man vermutet, dass die Sahara einst von einem flachen Meer bedeckt war - kommen Sie dann in manchen Gebieten umso häufiger und prachtvoller vor. Hier gibt es die Versteinerungen von einst meeresbewohnenden Gliederfüßlern (Trilobiten), Kopffüsslern (Orthoceras und Ammoniten) und Schnecken.

Es gibt in Marokko jede Menge hervorragender Kunst-Handwerker:
Um den Markt zu befriedigen sind auch farbig veredelte Arbeiten in Kunstharz, Gips und Stein nicht selten. Vereinzelt haben wir im Dadestal Stände gesehen, in denen auch Meteoriten angeboten wurden!

Salzmine Salzkristalle

1875 berichtet Matthias Jacob Schleiden in seinem Buch "Salz":

Die von Marokko kommenden Karawanen oder "Kasilas" haben gewöhnlich 1 - 2000 Kamele und bis 150 Männer. Oft vereinigen sich mehrere Kasilas und bilden dann eine "Akabar"; auf ihrem Wege nach Süden laden sie in den salzreichen Bodeneinsenkungen, meist gegen Bezahlung und Ausfuhrabgabe an die Eigenthümer das sehr reine Salz und bringen es nach Timbuktu, wo dasselbe neben dem Golde der Haupthandelsartikel ist und längs des ganzen Niger das wichtigste Tauschobjekt und selbst, wie auch in vielen Gegenden Westafrika's, allgemeiner Werthmesser ist.

Bis zu 2000 Kamele? Unvorstellbar! Dieser Aufwand lässt den Wert erahnen: Stellenweise war Salz kostbarer als Gold, es war ein lebensnotwendiger Handelswert. Und noch heute gibt es in Marokko Salzbergwerke, Salinen und deren Überreste, deren Besichtigung lohnt.

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