Zeitzeugenberichte aus dem 19. + 20. Jahrhundert

| Charles de Foucauld | Dr. Oskar Lenz | Dr. Gerhard Rohlfs | Dr. Werner Wrage | Bestellinformationen |

Hoher Atlas
• begegnungen mit kaids und paschas • überfälle und plünderungen • gazellenjagd bei tata • bewaffnete auseinandersetzungen •

Was hätten unsere Großeltern, Urgroßeltern und weitere Vorfahren in Marokko erleben können?

Lesen Sie parallel zu den eben besuchten Orten und Regionen in Reiseberichten "von damals" nach. Erfahren Sie einerseits, wie anders Sitten und Gebräuche, Fauna und Flora waren. Andererseits werden Sie vieles wieder erkennen können was sich kaum verändert hat.

Gerhard Rohlfs Es gibt einiges an Literatur, was sich noch immer gut lesen lässt.
Den Zugang möchten wir hier ermöglichen. Viele Publikationen sind inzwischen gemeinfrei, man kann sie risiko- und kostenfrei auf das Tablet laden und mitnehmen. Natürlich kann man sie auch in Papierform kaufen.
Auf besonders wichtige Punkte werden wir zukünfig in unseren touristischen Landkarten hinweisen.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs das Interesse Europas an Marokko. Geologische Kenntnisse des Atlas-Gebirges mit Anti-Atlas und Jebel Siroua beruhten nur auf einer geringen Anzahl mehr oder weniger zuverlässiger Einzelbeobachtungen, die in keinen Zusammenhang gebracht wurden. Man vermutete Bodenschätze, suchte u.a. nach Eisenerzvorkommen, erhoffte sich Erkenntnisse über Möglichkeiten, wirtschaftliche Beziehungen aufzunehmen und Handelswege aufzubauen.
Forscher und Wissenschaftler wie z.B. Rohlfs und Lenz wurden mit Erkundungen in Afrika beauftragt.

Anders bei Foucauld und Wrage: Sie kamen aus Eigeninteresse, waren an Land und Leuten interessiert.

Noch um die Jahrhundertwende war das Risiko für die Forscher groß, die Forschungsarbeit mehr als nur schwierig.
Christen war der Zutritt Marokkos nicht gestattet. Meist tarnten sich die Reisenden als Jude oder Moslem. Habitus, Frisur, Kleidung – alles musste bis ins Detail angepasst werden. Und keiner durfte davon erfahren. Bereits der kleinste Fehler konnte zur Enttarnung führen, schwere Strafen hätten gedroht. Allein der Verdacht der Spionage für Europa reichte aus, um die sofortige Todesstrafe zu verhängen.
Viele Europäer kamen damals nicht zurück aus Marokko.

Unter diesen Bedingungen wissenschaftliche Erhebungen durchzuführen und unbeobachtet von jedermann Aufzeichnungen und möglichst Skizzen zu machen war besonders schwer. Die Ausrüstung war zeitgemäß: Meist standen nur Kompass und Aneroid (Dosenbarometer) zur Verfügung. Unterwegs waren die Forscher zu Fuß, Lasttiere trugen das Gepäck. Die Expeditionen wurden durch einheimische Helfer, Dolmetscher, Köche und Wächter komplettiert.

1883/84: Charles Eugène Vicomte de Foucauld

Ein interessanter Mensch. Eine spannende Biographie. Noch heute ein fesselnder Reisebericht.

1883/1884 war Charles de Foucauld getarnt als russischer Jude auf Forschungsreise quer durch Marokko unterwegs und hat in „Reconnaissance au Maroc“ sehr plastisch seine präzisen wie abenteuerlichen Eindrücke von Land und Leuten beschrieben. Nach seinen Angaben entstanden recht brauchbare Landkarten.
Er liefert in seinem Reise-Tagebuch zahlreiche Orts- und Zeitangaben, die es leicht machen, seinen Reiseweg kennen zu lernen. Mehr als 2200 km davon durch den Süden Marokkos haben wir nachvollzogen.
Er nutzt oft die traditionellen Handelswege, die nicht immer mit dem heutigen Straßenverlauf übereinstimmen. Von Demnate kommend geht seine Route über Telouet, vorbei an Ouarzazate über Taznakht nach Tissint, wo er sich länger aufhält bzw. wohin er immer wieder gern zurückkommt. Von hier aus erkundet er die Orte der Umgebung wie z.B. Tata und Akka.
Insgesamt fast 10 Wochen braucht er für einen Besuch der Poststation in Mogador (Essaouira): 2 Wochen dauert der Hinweg quer durch den Antiatlas über Agadir, 6 Wochen wartet er in der Hafenstadt die Antwort ab. 2 weitere Wochen ist er auf dem Rückweg – diesmal über Taroudant.
Und wieder bricht er auf in Richtung Agdz zur „Straße der Kasbahs“, die damals natürlich noch nicht so genannt wurde über Tinghir nach Ksar es Souq (heute Errachidia).

Hoher Atlas Charles de Foucauld * 15. September 1858 Straßburg/Frankreich; Spross einer reichen Adelsfamilie + 1870 Gymnasium, Nancy/Schweiz + 1874 Jesuitengymnasium Paris/Frankreich + 1875 wegen „Faulheit und asozialem Benehmen" (Partys und sexuelle Abenteuer) verwiesen + 1876 staatliche Schule Abitur + Militärschule + 1878 Unterleutnant (45 Strafen wegen Ungehorsams, Faulheit und Nachlässigkeit) + 1878 4. Husarenregiment Saumur/Frankreich + 1880 Verlegung nach Algerien; erste Studien von arabischer Sprache und Koran + 1881 wegen anstößigen Benehmens und Ungehorsams unehrenhaft aus der Armee entlassen + 1882 Entmündigung durch seine Familie wegen skandalösem Lebenswandel, Hebräisch-Studium + 1883 im Auftrag der "Societe de Geographie" als Jude getarnt gemeinsam mit Rabbiner Mordechai Marokko-Studienreise bis in den Süden und Südosten + 1884 Rückkehr nach Frankreich + 1888 Veröffentlichung „Reconnaissance au Maroc 1883–1884“ mit ersten Kartenskizzen des Atlas-Gebirges, geologische und soziale und religiöse Studien, Beobachtungen von Pflanzen- und Tierwelt + 1889 Entmündigung durch die Familie wird rückgängig gemacht + 1890 Eintritt in den katholischen Trappisten-Orden + Versetzung nach Syrien + 1896 Versetzung nach Algerien + 1897 Eintritt in den Klarissen-Orden in Nazareth, Leben als Eremit in Jerusalem + 1901 Priesterweihe in Frankreich + 1904 algerisch/marokkanische Grenze Betreuung stationierter französischer Soldaten, Kampf gegen Sklaverei, Kontakte zur Bevölkerung + 1905 Errichtung einer Einsiedelei in Algerien; + 1914 Versetzung als Vermittler zwischen Franzosen und den Tuareg nach Tamanrasset + Errichtung einer Einsiedelei fernab jeglicher Zivilisation in 2700 m Höhe + Studium der Sprache der Tuareg, Tamascheq; Erstellung eines Wörterbuches; Sammlung von Gedichten und Fabeln der Tuareg + † 1. Dezember 1916 Tamanrasset/Algerien (1.Weltkrieg) Erschießung während eines Überfalls

navi Waypoints Charles de Foucauld - Zwischen Atlas und Sahara. Aus „Reconnaissance au Maroc“
Die hier beschriebenen Waypoints im gpx-Format mit ergänzenden Informationen im pdf-Format zur direkten Weiterverarbeitung in Ihrem PC, Smartphone oder Navigationsgerät. Weitere Informationen

Das Buch findet man bei Gallica, dem Digitalisierungsprojekt der Französischen Nationalbibliothek.

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1879/80: Dr. Heinrich Oskar Lenz

Wiederholt war Afrikaforscher, Mineraloge und Geologe Dr. Lenz in Afrika unterwegs. Hier geht es um sein 2-bändiges Werk „Timbuktu. Reise durch Marokko, die Sahara und den Sudan“ von 1884 im Auftrag der afrikanischen Gesellschaft in Deutschland.

Er tarnte sich als muslimischer türkischer Militärarzt und schildert als Hakim Omar ben Ali seine Empfänge bei den damaligen Kaids, berichtet von Auseinandersetzungen mit Einheimischen. Er beschreibt sehr anschaulich Landschaften, Fauna und Flora sowie seine Beobachtungen und Begegnungen mit den Bewohnern.

Für alle, die etwas mehr über Marrakech erfahren wollen: Ein ganzes Kapitel widmet er der Stadtgeschichte sowie Sitten und Bräuchen von Marrakesch mit Koutoubia, dem Djemaa el Fna und seinen Souks. Ausführlich schildert Lenz die Feierlichkeiten zum Geburtstag des Propheten und beschreibt die Fantasia dazu.
Von dort aus durchquert er in ca. 500 km das Atlasgebirge, reist über Taroudant, Sidi Ahmed Oumoussa und Fam el Hisn (bei Icht) weiter nach Algerien. Er beschreibt Agadir, Santa-Cruz de Marpequena (heute Sidi Ifni) und Ogulmim (Guelmim).
Ausführlich werden in mehreren Kapiteln Geografie, Politik, Religion, Wirtschaft und Kultur geschildert.

Hoher Atlas Oskar Lenz * 13. April 1848 Leipzig + Nicolaigymnasium + 1866 Studium Mineralogie und Geologie + 1870 Dr. phil. + 1872 Volontär in der k.k. Geologischen Reichsanstalt Wien, österreichische Staatsbürgerschaft + kartografische Arbeiten + 1874–77 als Forschungsreisender für die Deutsche Gesellschaft zur Erforschung Äquatorial-Afrikas in der französischen Kolonie Gabun + Ab 1877 div. Geologische Arbeiten und prähistorische Ausgrabungen + 1879–80 Expedition von Marokko durch die Sahara nach Timbuktu + 1881 Geologische Reichsanstalt, geografischen Arbeiten; Redaktion der Monatsschrift „Aus allen Welttheilen“; Generalsekretär der k.k. geographischen Gesellschaft + 1885 ordentlicher Professor der Geographie an der k.k. Universität Czernowitz + Expedition und Forschungsreisen durch Nord- und Zentralafrika; Kartografierung diverser Landschaften und Flüsse + 1887 Wien, ordentlicher Professor an der Deutschen Universität Prag + 1875 Einrichtung eines geografischen Institutes, Begründung einer Lehrtradition + 1892/93 Dekan, 1902/03 Rektor; 1909 Ruhestand+ † 2. März 1925 Sooß

navi Waypoints Oskar Lenz - Von Marrakesch nach Icht. Aus „Timbuktu. Reise durch Marokko“
Die hier beschriebenen Waypoints im gpx-Format mit ergänzenden Informationen im pdf-Format zur direkten Weiterverarbeitung in Ihrem PC, Smartphone oder Navigationsgerät. Weitere Informationen

Die Bücher findet man in deutscher und französischer Sprache im Internet Archive in San Francisco.

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1861-1864: Dr. h.c. Friedrich Gerhard Rohlfs

In "Mein erster Aufenthalt in Marokko" geht es vergleichsweise am wildesten zu. Schießereien, Verletzungen. Aber wahrscheinlich der Wahrheit entsprechend zeitgemäß. 1862 war er hier unterwegs, 1873 erschien das Buch. Es erinnert stellenweise an die Erlebnisse von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar in den Büchern des Orientzyklus von Karl May, der für seine Landschaftsbeschreibungen die Aufzeichnungen Rohlfs genutzt haben soll. Nur die Landschaftsbeschreibungen? Aber das passt auf jeden Fall.
August Heinrich Petermann, einer der bekanntesten Geographen und Kartographen des 19. Jahrhunderts bemühte sich, nach den Angaben von Rolhlfs brauchbares Kartenmaterial zu erstellen. Seinen Worten in seinen "Petermanns Geographische Mitteilungen" schließen wir uns an:
...die Verkleidung als Mohammedaner (ermöglichte) dem Reisenden das Eindringen in alle Kreise und Verhältnisse, die Beobachtung der Eigenthümlichkeiten der Bewohner und Zustände und (der Bericht) ist zudem sehr spannend und interessant geschrieben. Aus den fleissig durchgeführten Ablesungen des holosterischen Barometers werden sich die Höhen aller wichtigeren Punkte ... berechnen lassen.
Petermann kritisiert jedoch an anderer Stelle die oftmals fehlenden Orts- und Zeitangaben, die auch uns ein sicheres Zuordnen seiner Route oftmals vage werden lässt. So wird wohl auf historischen Karten aus dem Jebel Siroua der Jebel Saghro und nicht vorhandene Flüsse werden dargestellt. Das ist nicht verwunderlich: Wahrscheinlich war Rohlfs der erste, zumindest einer der ersten europäischen Forschungsreisenden in dieser Region, der sich zudem noch stellenweise in fast unbesiedelter Gegend bewegte.

Rohlfs fesselnd geschriebener Reisebericht über 1000 km im Kartengebiet führt u.a. nach Marokko (Marrakesch) und über Mogador (Essaouira), Agadir, Taroudant, Taznakht über Zagora in das heutige Risani.

Hoher Atlas

1868 erschien in Bremen Reise durch Marokko, Uebersteigung des grossen Atlas, Exploration der Oasen von Tafilet, Tuat und Titelt und Reise durch die grosse Wüste über Rhadames nach Tripoli.
Rohlfs beschreibt seine Erlebnisse und Beobachtungen von 1864. Wieder wurde ihm nicht immer nur Zuneigung entgegengebracht. Er musste alles riskieren, was er hatte - selbst sein Leben.
In diesem Buch sind seine Berichte deutlich detaillierter und besser lokalisierbar geworden als im zuvor genannten.

Von Tanger kommend geht es an der Küste über Larache. In der Gegend um Midelt quert er den Atlas. Er besucht zum zweiten Mal die zahlreichen Ksour der Oasen des Tafilalet entlang des Oued Ziz zwischen Ksor es Ssuck (Errachidia) und Rissani. Von hier geht über den südlichsten Punkt seiner Reise in Algerien Béni Abbès und durch Südtunesien nach Tripolis im heutigen Lybien.

Hoher Atlas

Wäre so eine Karriere heute noch denkbar?
Ohne jeglichen Schul- oder Studienabschluss, also in heutigem Sinne keineswegs für seine Tätigkeit qualifiziert, schaffte er es dennoch zu großem Ruhm und Ehre auch als Mediziner und wurde in der Fachwelt anerkannt.

Gerhard Rohlfs * 14. April 1831 Vegesack/Bremen + unstete Jugend + lehnt eine von seinen Eltern vorgegeben Medizinerlaufbahn ab + 1846 Gymnasium Osnabrück + Versuch, daheim auszureisen + Gymnasium Celle + 1847 Schule Bremen ohne Abschluss verlassen + Eintritt in das Bremische Füsilier-Bataillon + Unteroffizier in der schleswig-holsteinische Armee + 1850 Teilnahme im Krieg gegen Dänemark + 1851 Entlassung aus dem Militärdienst + 1850 Medizinstudium + Abbruch nach einiger Zeit ohne Prüfung + 1854 Eintritt in das 21. Feldjägerbataillon der österreichischen Armee + 1855 Desertation + Kriegsgericht + 1856 2. Desertation, verlässt Österreich + 1856 Freiwilliger der französischen Fremdenlegion; Teilnahme an mehreren Feldzügen u.a. in Afrika + 1859 Grenadier + 1860 Füsilier (Infanterie) + 1860 Caporal (Gefreiter), Entlassung aus dem Militärdienst + erste Arabisch-Kenntnisse + 1861 oberster Militärarzt in Fès / Marokko + Eröffnung einer Privatpraxis + Arabisch-Kenntnisse vervollkommnet, Beschäftigung mit Sitten, Lebensart und Religion der Nordafrikaner + 1862 Reise nach Zentral – und Südmarokko + 1865 Rückkehr nach Deutschland + Zusammenarbeit mit Kartograph August Petermann + gesellschaftlicher Wiedereinstieg als angesehener Forschungsreisender, Große Goldene Medaille der Pariser Geographischen Gesellschaft + 1865 weitere Afrika-Reise als offiziell unterstützter Forschungsreisender bis in den Niger und Lagos am Golf von Guinea + erklärter Gegner des Sklavenhandels + Ehrung durch König Wilhelm I. von Preußen + Ehrenmitglied der Berliner Gesellschaft für Erdkunde + goldene Medaillen der geographischen Gesellschaften von Paris und London + im Dienste des preußischen Königs Teilnahme an diversen Expeditionen + Vortragsreisen in Europa, Übersee und Russland + 1867 Preußischer Kronen-Orden III. Klasse + 1870 Hochzeit in Riga + Weimar, Ernennung zum Preußischen Hofrat, Tunesien-Reise als preußischer Agent + 1871 Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Jena + 1873 Ägypten-Exkursion + 1878 weitere Afrika-Expedition + 1880 als Gesandter des preußischen Königs am Hof des Königs Johannes von Abessinien. 1884 im Reichsdienst als Generalkonsul auf Sansibar + 1890 Umzug nach Bad Godesberg + † 2. Juni 1896 Rüngsdorf

navi Waypoints Gerhard Rohlfs - Marrakesch. Von Essaouira nach Errachidia. Das Tafilet. Aus „Mein erster Aufenthalt in Marokko" und "Reise durch Marokko"
Die hier beschriebenen Waypoints im gpx-Format mit ergänzenden Informationen im pdf-Format zur direkten Weiterverarbeitung in Ihrem PC, Smartphone oder Navigationsgerät. Weitere Informationen

"Mein erster Aufenthalt in Marokko" findet man im Internet Archive in San Francisco.

"Reise durch Marokko" findet man im Internet Archive in San Francisco.

bestellen 1* Mein erster Aufenthalt in Marokko

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1959 - 1969: Dr. Werner Wrage

Der Hamburger Naturwissenschaftler und Lehrer war wiederholt um die Mitte des 20. Jahrhunderts in Marokko unterwegs. Seine Voraussetzungen waren etwas besser als die der zuvor Vorgestellten. Er benötigte keine Tarnung mehr. Eine Bescheinigung, die ihn als Moslem ausgab erleichterte ihm seine Forschungen und Kontakte zu einheimischen Würdenträgern sehr. Sie öffnete ihm auch die Türen zu Moscheen.
Wenn wir seine Berichte heute lesen ist das Abenteuer pur. Für uns gut vorstellbar aber dennoch weit weg.
Dr. Wrage interessiert sich einfach für alles, später besonders für den afrikanischen Kontinent und ganz besonders für Marokko. Das Land hat ihn in seinen Bann gezogen.

Der hervorragende Erzähler und Fotograf fesselt mit seinen Reiseberichten. Ergänzt mit zahlreichen Farbfotos von Menschen, Tieren, Pflanzen, Landschaften und Gebäuden. Wissensvermittlung für jedermann ganz unwissenschaftlich und alles andere als trocken. Durchmengt mit Erlebnissen, Abenteuern und Geschichte(n). Wrage hat auch Visionen, die wir heute bestätigt sehen. Seine Bücher sind zeitgemäß und wirklich gut lesbar.

Die zahlreichen Studienreisen hat er in 3 Büchern zusammengefasst:

„Frühlingsfahrt in die Sahara“ von 1959 führt quer durch Europa, erster Stopp in Granada, Spanien. Über Ceuta geht es durch das Riff-Gebirge über die Oase Figuig und das Tafilalet weiter nach Algerien. Wrage erinnert an einen Empfang 1954 beim Berberfürsten el Glaui, dem Pascha von Marrakesch in seiner Kasbah in Telouet.
Hoher Atlas

„Die Strasse der Kasbahs“ von 1969 führt u.a. von Goulmima entlang der Straße, die dem Buch den Titel gab über Ouarzazate, das Ounila-Tal mit Telouet nach Marrakesch.
Hoher Atlas

„Jenseits des Atlas“ von 1969 ist als 2. Teil zur „Strasse der Kasbahs“ konzipiert. Aber auch wer das Buch nicht kennt, kommt gut klar. Wrage beschreibt u.a. die heutige N9 zwischen Marrakesch und Zagora, reist über Taznakht und Taroudant bis nach Guelmim. Agadir Id Aissa besucht er in abenteuerlicher Fahrt, fährt nach Tafraoute und zum Agadir Tasguent. Weiter über Agadir entlang der Antlantikküste bis in den Norden. Zurück nach Agadir und auf Pisten über den Tizi’n Test bis zu seinem Ziel Marrakesch.
Hoher Atlas

Werner Wrage Trotz intensiver Recherche konnten wir nur wenig Biographisches über Werner Wrage finden. Er erscheint uns etwas geheimnisvoll; viele Fragen bleiben offen.
Warum erschienen seine Marokko-Bücher zu Zeiten des tiefsten „kalten Krieges“ zwischen Ost- und Westdeutschland in einem ostdeutschen Verlag? In einem Land, in dem Papier knapp und den Bewohnern klar war, dass es niemals vorgesehen war, dass sie dieses Land bereisen dürften? Warum fotografierte er auch mit Kameras aus Dresden, aus ostdeutscher Produktion? Zu gern würden wir mehr erfahren.

Um dennoch ein Bild von ihm zu bekommen, geben wir hier Auszüge aus Texten wieder, die uns von spierentonne.de zur Verfügung gestellt wurden und ergänzen mit unseren Gedanken.

*25.10.1905 Hamburg + Realgymnasium des Johanneums Armgartstraße + Realschule Blankenese + Abschlußprüfung (Obersekundareife) + ab ca. 1920 begeisterter Faltbootfahrer + Reifeprüfung Oberrealschule Altona-Ottensen + Abitur + Studium der Naturwissenschaften in Hamburg und Freiburg i. B. + 1929 mündliche Doktorprüfung Hamburg + Bis 1968 Biologie-Lehrer Gymnasium Hamburg-Blankenese + 1995 botanische Exkursion Südafrika + † August 2005

Mit einem VW-Käfer starteten seine Expeditionen immer daheim in Hamburg. Dabei waren bis zu 3 weitere Personen. Zelte samt Schlafsäcken und Luftmatratzen, natürlich Kleidung, zahlreiche Landkarten und Bücher, Kochgeräte und Lebensmittel, zuweilen bis zu 40L Trinkwasser, Geschenke, mehrere Fotoausrüstungen, Tonbandgerät, wissenschaftliche Geräte wie Thermometer, Höhen-, Hygro- und Barometer, Zeichenmaterial, Werkzeug, Ersatzreifen, Benzinkanister und auf dem Dach die riesige Botanisiertrommel…
Auf dem Rückweg von Marokko nach Hamburg waren dann oftmals noch lebende Kleintiere wie Echsen, Schlangen sowie Insekten dabei - nebst notwendigem Futter. Die Botanisiertrommel war gefüllt, zahlreiche Andenken wie z.B. Bekleidung und Musikinstrumente waren gekauft. Erhaltene Geschenke -darunter zuweilen auch Waffen- mussten selbstverständlich auch mit.
Wie ging das?

Prof. Herbert Popp, der sich intensiv mit Wrage beschäftigt hat stellt fest, Wrage sei der Schöpfer des Begriffs „Straße der Kasbahs“. Ihm sei es zu verdanken, dass heute zumindest in jedem deutschen Reiseführer mit dieser Bezeichnung auf den betreffenden Landstrich als auch auf die Speicherburgen Id Aissa und Tasguent hingewiesen wird.
Wrage hat die Hoffnung auf eine spätere touristische Nutzung, befürchtet aber auch den Verfall, dem wir inzwischen begegnen.

In KANU SPORT erinnert Carlo Schagen in dem Beitrag „Zum Tod von Dr. Werner Wrage“ an eine „alte Faltbootlegende“, die im Alter von fast 100 Jahren verstarb:
… Beliebt war er bei seinen Schülern nicht nur deshalb, weil diese sich in der Regel ihre Noten selbst geben durften, sondern vor allem, weil er stets von seinen Reisen allerlei exotisches Getier in den Unterricht mitbrachte, das für Neugier, Aufregung und große Begeisterung sorgte…
…Er zeichnete, aquarellierte und vertiefte sich in Weltreligionen Er sammelte Gesteine, Schnecken, Muscheln und allerlei völkerkundlich Interessantes, pflegte Tiere und Pflanzen, bis seine Wohnung in Hamburg-Blankenese nur noch einem einzigen Museum glich…

navi Waypoints Werner Wrage - Der Süden. Zusammenfassung aus "Frühlingsfahrt" • "Strasse der Kasbahs" • "Jenseits des Atlas"
Die hier beschriebenen Waypoints im gpx-Format mit ergänzenden Informationen im pdf-Format zur direkten Weiterverarbeitung in Ihrem PC, Smartphone oder Navigationsgerät. Weitere Informationen

Die Bücher von Dr. Wrage sind in keiner Bibliothek verfügbar, dafür aber noch sehr preiswert antiquarisch erhältlich:

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Frühlingsfahrt in die Sahara

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Die Strasse der Kasbahs - Unter den Berbern Südmarokkos

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Jenseits des Atlas - Unter den Berbern Südmarokkos

Bildnachweis, Quellen und Literaturhinweise:
Kartenausschnitt oben: Ausschnitt aus "Itinéraires au maroc par le Vicomte Charles de Foucauld"
Gerhard Rohlfs: aus Reise durch Marokko, Uebersteigung des grossen Atlas, Exploration der Oasen von Tafilet, Tuat und Titelt und Reise durch die grosse Wüste über Rhadames nach Tripoli., Bremen, 1868. Verlag von J. Kühtmann's Buchhandlung,
Waypoints Kartenausschnitte: marokko-erfahren, Map data: © OpenStreetMap contributors, Map style: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)
Fotos Foucauld, Lenz und Rohlfs sind gemeinfrei, stammen aus Wikimedia Commons
Foto + Texte Werner Wrage mit freundlicher Genehmigung von Spierentonne - Werner Wrage
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
seekajak.ch - Nachruf Werner Wrage
Bei den Literaturverweisen gibt es einige weiterführende und sehr interessante Links!



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