Abenteurer, Forscher und Entdecker
Zeitzeugenberichte aus dem 19. + 20. Jahrhundert

| Theobald Fischer | Charles de Foucauld | Dr. Oskar Lenz | Dr. Gerhard Rohlfs | René de Segonzac | Joseph Thomson | Dr. Werner Wrage | Bestellinformationen |

Hoher Atlas
• begegnungen mit kaids und paschas • überfälle und plünderungen • todesurteil und haft • gazellenjagd bei tata • bewaffnete auseinandersetzungen •

Was hätten unsere Großeltern, Urgroßeltern und weitere Vorfahren in Marokko erleben können?

Lesen Sie parallel zu den eben besuchten Orten und Regionen in Reiseberichten "von damals" nach. Erfahren Sie einerseits, wie anders Sitten und Gebräuche, Fauna und Flora waren. Andererseits werden Sie Vieles wieder erkennen können was sich kaum verändert hat.

Gerhard Rohlfs Es gibt einiges an Literatur, was sich noch immer gut lesen lässt.
Den Zugang möchten wir hier ermöglichen. Viele Publikationen sind inzwischen gemeinfrei, man kann sie risiko- und kostenfrei auf das Tablet laden und mitnehmen. Natürlich kann man sie auch in Papierform kaufen.
Durch nicht mehr auffindbare Orts- und Flussnamen wird das Verständnis dafür, wo die Teilnehmer unterwegs waren, oftmals erschwert. Hier helfen wir mit unseren Erklärungen.
Auf besonders wichtige Punkte weisen wir zukünfig in unseren touristischen Landkarten hin.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs das Interesse Europas an Marokko. Geologische Kenntnisse des Atlas-Gebirges, des Anti-Atlas und Jebel Siroua beruhten nur auf einer geringen Anzahl mehr oder weniger zuverlässiger Einzelbeobachtungen, die in keinen Zusammenhang gebracht wurden. Man vermutete Bodenschätze, suchte u.a. nach Eisenerzvorkommen, erhoffte sich Erkenntnisse über Möglichkeiten, wirtschaftliche Beziehungen aufzunehmen und Handelswege aufzubauen.
Forscher und Wissenschaftler wie z.B. Rohlfs und Lenz wurden mit Erkundungen in Afrika beauftragt. Beim im Militärdienst stehenden Segonzac standen wohl bereits die Gedanken einer Kolonialisierung im Vordergrund.

Anders bei Foucauld und Wrage: Sie kamen aus Eigeninteresse, waren an Land und Leuten interessiert und wollten auf Ihre -sehr unterschiedliche- Art zur Verständigung zwischen den Kulturen beitagen.

Noch um die Jahrhundertwende war das Risiko für die Forscher groß und deren Arbeit mehr als nur schwierig.
Der unten erwähnte Marquis de Segonzac musste diese Erfahrung machen. Christen war der Zutritt Marokkos nicht gestattet. Meist tarnten sich die Reisenden als Jude oder Moslem. Habitus, Frisur, Kleidung – alles musste bis ins Detail angepasst werden. Und keiner durfte davon erfahren. Bereits der kleinste Fehler konnte zur Enttarnung führen. Schwere Strafen hätten gedroht. Allein der Verdacht der Spionage für Europa reichte aus, um die sofortige Todesstrafe zu verhängen.
Viele Europäer kamen damals nicht zurück aus Marokko.

Unter diesen Bedingungen wissenschaftliche Erhebungen durchzuführen und unbeobachtet von jedermann Aufzeichnungen und möglichst Skizzen zu machen, war besonders schwer. Die Ausrüstung war zeitgemäß: meist standen nur Kompass und Aneroid (Dosenbarometer) zur Verfügung. Unterwegs waren die Forscher zu Fuß, Lasttiere trugen das Gepäck. Die Expeditionen wurden durch einheimische Helfer, Dolmetscher, Köche und Wächter komplettiert.

 

1883/84: Charles Eugène Vicomte de Foucauld

Ein interessanter Mensch. Eine spannende Biographie. Noch heute ein fesselnder Reisebericht.

1883/1884 war Charles de Foucauld getarnt als russischer Jude auf Forschungsreise quer durch Marokko unterwegs und hat in „Reconnaissance au Maroc“ sehr plastisch seine präzisen wie abenteuerlichen Eindrücke von Land und Leuten beschrieben. Nach seinen Angaben entstanden recht brauchbare Landkarten.
Er liefert in seinem Reise-Tagebuch zahlreiche Orts- und Zeitangaben, die es leicht machen, seinen Reiseweg kennen zu lernen. Mehr als 2200 km davon durch den Süden Marokkos haben wir nachvollzogen.
Er nutzt oft die traditionellen Handelswege, die nicht immer mit dem heutigen Straßenverlauf übereinstimmen. Von Beni Mellal kommend geht seine Route über Demnate und Telouet, vorbei an Ouarzazate über Taznakht nach Tissint, wo er sich länger aufhält bzw. wohin er immer wieder gern zurückkommt. Von hier aus erkundet er die Orte der Umgebung wie z.B. Tata und Akka.
Insgesamt fast 10 Wochen braucht er für einen Besuch der Poststation in Mogador (Essaouira): 2 Wochen dauert der Hinweg quer durch den Antiatlas über Agadir, 6 Wochen wartet er in der Hafenstadt die Antwort ab. 2 weitere Wochen ist er auf dem Rückweg – diesmal über Taroudant.
Und wieder bricht er auf in Richtung Agdz zur „Straße der Kasbahs“, die damals natürlich noch nicht so genannt wurde über Tinghir nach Ksar es Souq (heute Errachidia).

Foucauld Reconnaissance Charles de Foucauld * 15. September 1858 Straßburg/Frankreich; Spross einer reichen Adelsfamilie • 1870 Gymnasium, Nancy/Schweiz • 1874 Jesuitengymnasium Paris/Frankreich • 1875 wegen „Faulheit und asozialem Benehmen" (Partys und sexuelle Abenteuer) verwiesen • 1876 staatliche Schule, Abitur • Militärschule • 1878 Unterleutnant (45 Strafen wegen Ungehorsams, Faulheit und Nachlässigkeit) • 1878 4. Husarenregiment Saumur/Frankreich • 1880 Verlegung nach Algerien; erste Studien von arabischer Sprache und Koran • 1881 wegen anstößigen Benehmens und Ungehorsams unehrenhaft aus der Armee entlassen • 1882 Entmündigung durch seine Familie wegen skandalösem Lebenswandel, Hebräisch-Studium • 1883 im Auftrag der "Societe de Geographie" als Jude getarnt gemeinsam mit Rabbiner Mordechai Marokko-Studienreise bis in den Süden und Südosten • 1884 Rückkehr nach Frankreich • 1888 Veröffentlichung „Reconnaissance au Maroc 1883–1884“ mit ersten Kartenskizzen des Atlas-Gebirges, geologische und soziale und religiöse Studien, Beobachtungen von Pflanzen- und Tierwelt • 1889 Entmündigung durch die Familie wird rückgängig gemacht • 1890 Eintritt in den katholischen Trappisten-Orden • Versetzung nach Syrien • 1896 Versetzung nach Algerien • 1897 Eintritt in den Klarissen-Orden in Nazareth, Leben als Eremit in Jerusalem • 1901 Priesterweihe in Frankreich • 1903 Unterstützungsbrief unter dem Namen Pater Jesus aus der Einsiedelei in Béni Abbès (Algerien) an Marquis de Segonzac • 1904 an algerisch/marokkanischer Grenze Betreuung stationierter französischer Soldaten, Kampf gegen Sklaverei, Kontakte zur Bevölkerung • 1905 Errichtung einer Einsiedelei in Algerien; • 1914 Versetzung als Vermittler zwischen Franzosen und den Tuareg nach Tamanrasset • Errichtung einer Einsiedelei fernab jeglicher Zivilisation in 2700 m Höhe • Studium der Sprache der Tuareg, Tamascheq; Erstellung eines Wörterbuches; Sammlung von Gedichten und Fabeln der Tuareg • † 1. Dezember 1916 Tamanrasset/Algerien (1.Weltkrieg) Erschießung während eines Überfalls +
2005 Seligsprechung (Beatifikation) durch Papst Benedikt XVI • 2020 Anerkennung eines durch Fürbitte Foucaulds bewirkten Wunders als Voraussetzung zur Heiligsprechung (Kanonisation) durch Papst Franziskus

navi Waypoints Charles de Foucauld - Zwischen Atlas und Sahara. Aus „Reconnaissance au Maroc“ Die Waypoints als eBook im PDF-Format mit einer gpx-Datei für das Navi
Das Buch findet man bei Gallica, dem Digitalisierungsprojekt der Französischen Nationalbibliothek.

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1879/80: Dr. Heinrich Oskar Lenz

Wiederholt war Afrikaforscher, Mineraloge und Geologe Dr. Lenz in Afrika unterwegs. Hier geht es um sein 2-bändiges Werk „Timbuktu. Reise durch Marokko, die Sahara und den Sudan“ von 1884 im Auftrag der afrikanischen Gesellschaft in Deutschland.

Er tarnte sich als muslimisch türkischer Militärarzt und schildert als Hakim Omar ben Ali seine Empfänge bei den damaligen Kaids, berichtet von Auseinandersetzungen mit Einheimischen. Er beschreibt sehr anschaulich Landschaften, Fauna und Flora sowie seine Beobachtungen und Begegnungen mit den Bewohnern.

Für alle, die etwas mehr über Marrakech erfahren wollen: Ein ganzes Kapitel widmet er der Stadtgeschichte sowie Sitten und Bräuchen von Marrakesch mit Koutoubia, dem Djemaa el Fna und seinen Souks. Ausführlich schildert Lenz die Feierlichkeiten zum Geburtstag des Propheten und beschreibt die Fantasia dazu.
Von dort aus durchquert er in ca. 500 km das Atlasgebirge, reist über Taroudant, Sidi Ahmed Oumoussa und Fam el Hisn (bei Icht) weiter nach Algerien. Er beschreibt Agadir, Santa-Cruz de Marpequena (heute Sidi Ifni) und Ogulmim (Guelmim).
Ausführlich werden in mehreren Kapiteln Geografie, Politik, Religion, Wirtschaft und Kultur geschildert.

Lenz Timbuktu Oskar Lenz * 13. April 1848 Leipzig • Nicolaigymnasium • 1866 Studium Mineralogie und Geologie • 1870 Dr. phil. • 1872 Volontär in der k.k. Geologischen Reichsanstalt Wien, österreichische Staatsbürgerschaft • kartografische Arbeiten • 1874–77 als Forschungsreisender für die Deutsche Gesellschaft zur Erforschung Äquatorial-Afrikas in der französischen Kolonie Gabun • Ab 1877 div. Geologische Arbeiten und prähistorische Ausgrabungen • 1879–80 Expedition von Marokko durch die Sahara nach Timbuktu • 1881 Geologische Reichsanstalt, geografischen Arbeiten; Redaktion der Monatsschrift „Aus allen Welttheilen“; Generalsekretär der k.k. geographischen Gesellschaft • 1885 ordentlicher Professor der Geographie an der k.k. Universität Czernowitz • Expedition und Forschungsreisen durch Nord- und Zentralafrika; Kartografierung diverser Landschaften und Flüsse • 1875 Einrichtung eines geografischen Institutes, Begründung einer Lehrtradition • 1887 Wien, ordentlicher Professor an der Deutschen Universität Prag • 1892/93 Dekan, 1902/03 Rektor • 1909 Ruhestand • † 2. März 1925 Sooß

navi Waypoints Oskar Lenz - Von Marrakesch nach Icht. Aus „Timbuktu. Reise durch Marokko“
Die Waypoints als eBook im PDF-Format mit einer gpx-Datei für das Navi.
Die Bücher findet man in deutscher und französischer Sprache im Internet Archive in San Francisco.

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1861-1864: Dr. h.c. Friedrich Gerhard Rohlfs

In "Mein erster Aufenthalt in Marokko" geht es vergleichsweise am wildesten zu: Schießereien, Verletzungen. Aber wahrscheinlich der Wahrheit entsprechend zeitgemäß. 1862 war er hier unterwegs, 1873 erschien das Buch.
Es erinnert stellenweise an die Erlebnisse von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar in den Büchern des Orientzyklus von Karl May, der für seine Landschaftsbeschreibungen die Aufzeichnungen Rohlfs genutzt haben soll. Nur die Landschaftsbeschreibungen? Aber das passt auf jeden Fall.
August Heinrich Petermann, einer der bekanntesten Geographen und Kartographen des 19. Jahrhunderts bemühte sich, nach den Angaben von Rolhlfs brauchbares Kartenmaterial zu erstellen. Seinen Worten in seinen "Petermanns Geographische Mitteilungen" schließen wir uns an:
...die Verkleidung als Mohammedaner (ermöglichte) dem Reisenden das Eindringen in alle Kreise und Verhältnisse, die Beobachtung der Eigenthümlichkeiten der Bewohner und Zustände und (der Bericht) ist zudem sehr spannend und interessant geschrieben. Aus den fleissig durchgeführten Ablesungen des holosterischen Barometers werden sich die Höhen aller wichtigeren Punkte ... berechnen lassen.
Petermann kritisiert jedoch an anderer Stelle die oftmals fehlenden Orts- und Zeitangaben, die auch uns ein sicheres Zuordnen seiner Route oftmals vage werden lässt. So wird wohl auf historischen Karten aus dem Jebel Siroua der Jebel Saghro und nicht vorhandene Flüsse werden dargestellt. Das ist nicht verwunderlich: Wahrscheinlich war Rohlfs der erste, zumindest einer der ersten europäischen Forschungsreisenden in dieser Region, der sich zudem noch stellenweise in fast unbesiedelter Gegend bewegte.

Rohlfs fesselnd geschriebener Reisebericht über 1000 km im Kartengebiet führt u.a. nach Marokko (Marrakesch) und über Mogador (Essaouira), Agadir, Taroudant, Taznakht über Zagora in das heutige Rissani.

Rohlfs Aufenthalt

1868 erschien in Bremen Reise durch Marokko, Uebersteigung des grossen Atlas, Exploration der Oasen von Tafilet, Tuat und Titelt und Reise durch die grosse Wüste über Rhadames nach Tripoli.
Rohlfs beschreibt seine Erlebnisse und Beobachtungen von 1864. Wieder wurde ihm nicht immer nur Zuneigung entgegengebracht. Er musste alles riskieren, was er hatte - selbst sein Leben.
In diesem Buch sind seine Berichte deutlich detaillierter und besser lokalisierbar geworden als im zuvor genannten.

Von Tanger kommend geht es an der Küste über Larache. In der Gegend um Midelt quert er den Atlas. Er besucht zum zweiten Mal die zahlreichen Ksour der Oasen des Tafilalet entlang des Oued Ziz zwischen Ksor es Ssuck (Errachidia) und Rissani. Von hier gelangt er über den südlichsten Punkt seiner Reise in Algerien Béni Abbès und durch Südtunesien nach Tripolis im heutigen Lybien.

Rohlfs Reise

Wäre so eine Karriere heute noch denkbar?
Ohne jeglichen Schul- oder Studienabschluss, also in heutigem Sinne keineswegs für seine Tätigkeit qualifiziert, schaffte er es dennoch zu großem Ruhm und Ehre auch als Mediziner und wurde in der Fachwelt anerkannt.

Gerhard Rohlfs * 14. April 1831 Vegesack/Bremen • unstete Jugend • lehnt eine von seinen Eltern vorgegeben Medizinerlaufbahn ab • 1846 Gymnasium Osnabrück • Versuch, daheim auszureißen • Gymnasium Celle • 1847 Schule Bremen ohne Abschluss verlassen • Eintritt in das Bremische Füsilier-Bataillon • Unteroffizier in der schleswig-holsteinischen Armee • 1850 Teilnahme im Krieg gegen Dänemark • 1851 Entlassung aus dem Militärdienst • 1850 Medizinstudium • Abbruch nach einiger Zeit ohne Prüfung • 1854 Eintritt in das 21. Feldjägerbataillon der österreichischen Armee • 1855 Desertation • Kriegsgericht • 1856 2. Desertation, verlässt Österreich • 1856 Freiwilliger der französischen Fremdenlegion; Teilnahme an mehreren Feldzügen u.a. in Afrika • 1859 Grenadier • 1860 Füsilier (Infanterie) • 1860 Caporal (Gefreiter), Entlassung aus dem Militärdienst • erste Arabisch-Kenntnisse • 1861 oberster Militärarzt in Fès / Marokko • Eröffnung einer Privatpraxis • Arabisch-Kenntnisse vervollkommnet, Beschäftigung mit Sitten, Lebensart und Religion der Nordafrikaner • 1862 Reise nach Zentral – und Südmarokko • 1865 Rückkehr nach Deutschland • Zusammenarbeit mit Kartograph August Petermann • gesellschaftlicher Wiedereinstieg als angesehener Forschungsreisender, Große Goldene Medaille der Pariser Geographischen Gesellschaft • 1865 weitere Afrika-Reise als offiziell unterstützter Forschungsreisender bis in den Niger und Lagos am Golf von Guinea • erklärter Gegner des Sklavenhandels • Ehrung durch König Wilhelm I. von Preußen • Ehrenmitglied der Berliner Gesellschaft für Erdkunde • goldene Medaillen der geographischen Gesellschaften von Paris und London • im Dienste des preußischen Königs Teilnahme an diversen Expeditionen • Vortragsreisen in Europa, Übersee und Russland • 1867 Preußischer Kronen-Orden III. Klasse • 1870 Hochzeit in Riga • Weimar, Ernennung zum Preußischen Hofrat, Tunesien-Reise als preußischer Agent • 1871 Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Jena • 1873 Ägypten-Exkursion • 1878 weitere Afrika-Expedition • 1880 als Gesandter des preußischen Königs am Hof des Königs Johannes von Abessinien. 1884 im Reichsdienst als Generalkonsul auf Sansibar • 1890 Umzug nach Bad Godesberg • † 2. Juni 1896 Rüngsdorf

navi Waypoints Gerhard Rohlfs - Marrakesch. Von Essaouira nach Errachidia. Das Tafilet. Aus „Mein erster Aufenthalt in Marokko" und "Reise durch Marokko"
Die Waypoints als eBook im PDF-Format mit einer gpx-Datei für das Navi

"Mein erster Aufenthalt in Marokko" findet man im Internet Archive in San Francisco.
"Reise durch Marokko" findet man im Internet Archive in San Francisco.

bestellen 1* Mein erster Aufenthalt in Marokko

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1899-1905: Marquis René de Segonzac

Mindestens vier Mal war Segonzac in Marokko unterwegs. Zwei seiner daraus entstandenen ausführlichen Reiseberichte werden hier vorgestellt.

Seine Notizen sind sehr anschaulich, bildhaft und lebendig. Er vermerkt nicht nur seine täglich zurückgelegten Strecken, die manchmal 40, selten auch 50 km lang waren. Ergänzt wird mit ausführlichen Berichten über das tägliche Leben der besuchten Menschen und über die Konflikte, die -auch mit seinem Trupp- manchmal auftreten. Kleidung, Frisuren, Riten, Ernährungsgewohnheiten, Bewaffnung, Haushaltsausrüstung, Gastfreundschaft, religiöse Feste, selbst Körperhygiene und Düfte werden festgehalten.
Immer schildert der Autor tagebuchartig. Private Erlebnisse stellt der Marquis genauso zurück wie subjektive Äußerungen. Er ist Beobachter, wertet nicht. Notwendiger Mut und erlittene Entbehrungen, Qualen und Gefahren bleiben außen vor. Selbst in Lebensgefahr -als Christ erkannt wird 1905 die Todesstrafe über ihn verhängt-, berichtet er wenig emotional und beobachtet weiter. Dennoch werden Schönheit und Vielfalt des Landes vermittelt. Man spürt sein großes Interesse an allen und allem. Manchmal glaubt man, einen leichten Humor zu spüren?
Seine Ausstattung war deutlich besser als die der vorgenannten. Er führte Theodolit, Teleskop, Sextanten, Torpedoboot-Uhren, Chronograph, Hypsometer, Barometer, Thermometer, Barograph sowie 5 Kameras mit. Mit zahlreichen Fotographien dokumentiert er neben Landschaft und Architektur auch Menschen und Situationen.
Ausführungen über Botanik, Entomologie, Numismatik, Geologie, Astronomie und Meteorologie schließen sich in zusätzlichen Kapiteln an. Ausführlich widmet er sich hier auch Politik und Wirtschaft, Statistik, Soziologie und Religion.

In "Voyages au Maroc 1899-1901" reist Segonzac anfangs durch den Norden Marokkos. Von Tanger durch das Rif über Fès, Melilia und Ksar el Kebir.
Uns interessiert besonders der Abschnitt zwischen Marrakech und Agadir. Von Marrakesch aus kommt er an der heutigen N7, der Straße die zum Tizi n'Test führt, bis zur Kasbah von El Goundafi, kurz vor der Moschee Tinmal. Über Imi n'Tanout und Argana überquert er das Atlasgebirge am Pass Bibaoun, der heutigen P1713. Das war die "große, offizielle Straße zwischen Sous und Merrakech", der auch bereits schon Lenz 20 Jahre vor ihm folgte und dessen Notizen ihm bekannt waren. Interessant der Vergleich: Er schildert alles bedeutend ruhiger und friedvoller als sein Vorgänger. Hatte er einfach nur Glück? Oder waren es die 20 Jahre, die diese Veränderung mit sich brachten?
Über Taroudant und Ait Melloul kommt er am Fuß des Anti-Atlas bis nach Tiznit. Agadir erreicht er über die Massa-Mündung.

Segonzac Voyages

1910 erscheint "Au Cœur de l'Atlas", der Bericht über die Erkundungsreise 1904 - 1905. Es ist wohl das umfassendste aller hier vorgestellten Werke. Getragen wird die Expedition von zahlreichen französischen Organisationen wie z.B. dem neu gegründeteten Komitee von Marokko, drei Geographischen Gesellschaften, der Geographischen Handelsgesellschaft Paris, der Französischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft, der Geologischen Gesellschaft von Frankreich, der Schule für Anthropologie Paris sowie der Gesellschaft zur Unterstützung von Militärverwundeten.
So erhält Segonzac einige hochkarätige Fachleute an seine Seite. Kartograph René de Flotte de Roquevaire, Geologe Paul Lemoine, Mineraloge Louis Gentil und der Gelehrte Abdelaziz Zenagui begleiten ihn. Zeitweise waren Gaston Buchet vom Ministerium für öffentliche Bildung sowie Si Allal Aedi, Kanzler des französischen Konsulats in Mogador dabei. Parallel lief in Frankreich eine Öffentlichkeitsoffensive durch das eigens dafür gegründete Marokko-Komitee.
Die Aufgabe für die Forscher bestand darin, den Hohen Atlas intensiver zu erkunden und nach weiteren möglichen Handelswegen sowie Pässen nach Süden zu suchen. Ethnologie und Linguistik sollten dabei erforscht, Bodenschätze erkundet werden. Dabei baut Segonzac auf die Erkenntnisse zumindest von Lenz und Foucauld auf. Er ist mit mehreren Empfehlungsschreiben ausgestattet. Dazu gehört ein Brief von Foucauld, der mit "Frère Charles de Jésus" unterzeichnet hat.
Durch die anderen Expeditionsteilnehmer kam es zu weiteren Folge-Veröffentlichungen wie detaillierten Landkarten im Maßstab 1/250.000.
Finanziell und materiell sehr gut ausgestattet war Segonzac mit bis zu 40 Tieren und 60 weiteren Teilnehmern unterwegs. Etappenweise teilten sich die Fachleute in bis zu 3 Teams auf, die getrennt voneinander ihren Aufgaben nachgingen und sich nur von Zeit zu Zeit trafen.

Hier finden nur die heutigen Ortsbezeichnungen Beachtung: Seine Route führt am Fuß des Atlas-Gebirges von Essaouira über Marrakesch, Demnate weiter am kleinen Atls bis in die Gegend vor Midelt. Er passiert den Atlas und folgt südlich davon dem Oued Gheris vorbei an Goulmima bis Tinejdad. An Tinghir und Alnif vorbei geht er nach Tamegroute bei Zagora, wo er am Islamischen Opferfest, dem Aïd el Kébir teilnimmt. Über Foum Zguid, Djebel Bani / Antiatlas geht es bis in die Gegend von Tata.
Die weiteren Pläne, bis nach Guelmim und zum Oued Noun vorzudringen werden durch die Gefangennahme verhindert. Segounzac wird verdächtigt, Christ zu sein und soll deswegen erschossen werden. Kluges Taktieren, Verhandlungen über Lösegeldzahlungen durch befreundete marokkanische Scheiche und Scherifen sowie bekannt gewordene Fluchtpläne führten nach 40 Tagen Haft bei Agadir Melloul zur Freilassung.
Den eigentlichen Plan verkürzend geht es nun direkt Richtung Taznakht und über den Pass von Telouet zurück in Richtung Marrakesch.

Segonzac Au Coeur

Der französische Offizier, Forscher und Entdecker sowie Schriftsteller Édouard Marie René Bardon de Segonzac gibt uns besondere Rätsel auf. Man erfährt so gut wie nichts über ihn. Als Ersatz ein Zitat aus dem Vorwort zu "Voyages au Maroc" von Eug. Etienne:
Ich habe etwa zwanzig kleine Notizbücher vor mir liegen, vergilbt von der Sonne; Notizbücher mit Reiserouten, astronomischen Beobachtungen, Sehenswürdigkeiten; sorgfältig beschriftete Sammlungen, Mineralien, Gesteine, Pflanzen, Insekten, antike Münzen; eintausend Fotos: Es ist das, was der Marquis de Segonzac von seinen dreijährigen Erkundungen in Marokko mitgebracht hat. All dies wurde im Geheimen gesammelt, im Verborgenen gezeichnet, unter der trotzigen Aufsicht fanatischer Gefährten, von einem Bettler, der barfuß ging, und noch nachts wachte, um seine Notizen zu koordinieren, seine Sammlungen zu beschriften,
Er gab sich als bescheidener Diener des Sheriffs aus, mit dem er reiste, und nahm die Couscous-Schalen erst in Empfang, nachdem seine Begleiter ihre Hände hineingesteckt und ihre Bärte nach der Sitte abtropfen lassen hatten. Als er am Abend seiner Rückkehr zum Konsulat von Fes hinunterging, mit kahlgeschorenem und mit Ziegenhaarstrick umgürtetem Kopf, buschigem Bart, bekleidet mit dem kurzen Henna der Bergbewohner, nackten Füßen und Beinen, hätte ihn kein Rifain herausgefordert, kein Franzose hätte ihn als Landsmann erkannt.

Marquis Segonzac *07.September 1867 Cuy • 1886 Eintritt in den Militärdienst • Sonder-Militärschule Napoleons in Saint-Cyr • 1888-1889 Kavallerieschule Saumar • 1892 militärischer Dienst / Erkundungsreise Elfenbeinküste • 1893 Mordanschuldigung an einem Offizierskollegen, später Freispruch (Quiquerez-Segonzac-Affäre) • 1899 Marokko-Reise • 1901 Besteigung Djebel Ayachi (galt bis 1923 als der höchste Berg Marokkos) • 1903 Caillé-Medaille der geographischen Gesellschaft Marseille • 1904 - 1905 weitere Marokko-Reise • 1904 ​​Auguste-Furtado Preis für Publikationen • 1905 40 Tage Gefangenschaft in Marokko • 1908 Ducros-Aubert-Preis für Handelsgeographie • 1910 Delalande-Guérineau-Preis der geographischen Gesellschaft • 1911 Montyon Preis (fr. Akademie der Wissenschaften) für "Au Cœur de l’Atlas" • 1914-18 Pilot der militärischen Luftfahrt • ? Kriegskreuz 1. Weltkrieg • ? Nationaler Orden der Ehrenlegion • 12. Juni 1923 erste dokumentierte Toubkalbesteigung als von nun an höchstem Berg mit Vincent Berger und Hubert Dolbeau • † 27. März 1962 Woluwe-Saint-Lambert

navi Waypoints Segonzac: Marrakesch. Zwischen Atlas, Anti-Atlas, Jebel Bani und Jebel Saghro Aus "Voyages au Maroc" und "Au Cœur de l'Atlas"
Die Waypoints als eBook im PDF-Format mit einer gpx-Datei für das Navi

"Voyages au Maroc 1899-1901" im Internet Archive in San Francisco.
"Au Cœur de l'Atlas" bei Gallica, dem Digitalisierungsprojekt der Französischen Nationalbibliothek.

bestellen 1* Voyages au Maroc 1899-1901

bestellen 1* Au Cœur de l'Atlas: Mission au Maroc 1904-1905

 

1888: Joseph Thomson

Wer sanft geht, geht sicher; wer sicher geht, geht weit. war ein Motto von Joseph Thomson, britischer Geologe und Entdecker. Nach ihm wurden von ihm beschriebene Pflanzen, Tiere (Thomson-Gazelle) und geographische Plätze (Thomson’s Falls in Kenia) benannt. Thomson reizt eher das Entdecken als die Wissenschaft. Wichtig war ihm die Vermeidung von Konfrontationen mit der Bevölkerung der von ihm besuchten Länder. Ungewöhnlich für seine Zeit: Er soll niemals einen Eingeborenen getötet noch einen seiner Männer durch Gewalt verloren haben. Über ihn wird gesagt: Er respektierte das Land, durch das er ging, und die Menschen, die er traf. Er hatte einen großen Sinn für Humor und schottische Verbissenheit. Thomson soll vor den Massai wie ein mächtiger Zauberer aufgetreten sein, entfernte seine falschen Zähne und löste Eno-Salze auf, um sie mit dem sprudelnden Wasser zu überraschen. Im vorliegenden Buch stellt er seine Lebensauffassung unter Beweis, indem er zum Akkordeon einen schottischen Tanz aufführt. Seine sensible und friedliche Herangehensweise war der Schlüssel zu seinem Erfolg sagt Harkness. Thomson wurde nur 37 Jahre alt.
In Marokko ist Thomson als Christ und ohne weitere Tarnung unterwegs. Obwohl Forschung und Wissenschaft Anlass der Reise ist, treten sie in den Hintergrund. Eher ist es ein sehr persönlicher Bericht seiner Erlebnisse mit Land und Leuten auf seinen Wegen. Deutlich ist immer wieder der britische Humor spürbar, sein Interesse an den Lebensumständen der Bevölkerung wird entsprechend vermittelt. Natürlich bleiben schwelende Konflikte in seinem bunt zusammengewürfelten Team, u.a. bestehend aus dem jungen Leutnant Harold Crichton-Browne, den Juden Shalum und David Assor sowie einheimischen Helfern nicht aus, die immerfort neu geordnet und geklärt werden müssen. Hervorragende Fotos von Menschen und Landschaften ergänzen sein Werk.
In seinem Buch geht es u.a. um Intrigen und Unmoral, um eine Wildschweinjagd, einen illegalen Hammam-Besuch, die Privat-Vorstellung maurischer Tänzerinnen und das Belauschen von nächtlichen Gesprächen fremder Marokkaner über den Dächern von Marrakech. Dieser Stadt wird insgesamt sehr viel Raum gegeben, Beobachtungen der Stadt und dem Leben in ihr werden ausführlich geschildert. Der Autor ist Besucher einer Fantasia, Pulverspielen anlässlich eines Staatsempfanges zum Opferfest, dem Aid el-Kebir. In einem Kapitel betrachtet Thomson die Lebensbedingungen der Juden in Marokko.
Wie nebenbei geht es auch um seine Reise. Von Gibraltar über Tanger und Azemmour erreicht Thomson Mogador. Über Safi und Marrakech geht er nach Demnate. Marrakech spielt eine zentrale Rolle. Von hier aus wird oft gestartet, hierher kehrt er immer wieder zurück. Eine Expedition führt ihn zum Kaid von Telouet in seine Kasbah, eine zur Kasbah El Goundafi an der heutigen N10. In der Nähe von Imlil, unterhalb des Toubkal wird ein 3500m hoher Pass bestiegen. Eine Besteigung führt auf den Ogdimt, den wir heute als Jbel Igdat (3583m) kennen. Der Rückweg nach Mogador erfolgt über den traditionellen Handelsweg entlang der heutigen Autobahn A3 über Agadir.

Thomson Atlas Joseph Thomson

* 14. Februar 1858 in Penpont, Dumfriesshire, Schottland • Penpont Village School + Morton Academy in Thornhill • frühes Interesse und Liebe zu Büchern, Geologie und Botanik, insbesondere Afrika • Lehre als Steinmetz und im Sandstein-Steinbruch seines Vaters • bis 1878 Studium der Geologie, Mineralogie und Naturgeschichte Universität Edinburgh • 1878-80 Teilnahme an einer Expedition nach Ostafrika, Übernahme der Expeditionsleitung • 1882 Suche nach Kohlelagern am Rovuma in Ostafrika zwischen Tansania und Mosambik • 1883 Expedition Kenia und ins Land der Massai • Romane, die seine Erfahrungen in der ostafrikanischen Region verarbeiten: "Ulu: an African Romance" und gemeinsam mit E. Harrison Smith "Ulu: an African Romance volume II" • 1885 Goldmedaille der Royal Geographical Society, Bestseller Through Masai Land, Anstellung bei National African Company • 1888 Expedition in das Atlasgebirge von Marokko • 1889 Buch: Travels in the Atlas and Southern Morocco: A Narrative of Exploration, Mitteleuropa-Reise 1890 • Sambesi-Reise • † 2. August 1895 in London

navi Waypoints Thomson: Im Atlas. Von Essaouira bis Demnate. Aus "Travels in the Atlas and Southern Morocco: A Narrative of Exploration"
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Das Buch findet man im Internet Archive in San Francisco.

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1899: Theobald Fischer

"Marokko-Fischer" -so wurde er genannt- trat für die Kolonisierung von Marokko durch Deutschland ein und war deswegen mehrmals in Marokko unterwegs.
Er stellt in unserer Übersicht eine Ausnahme da. Unterwegs als Christ und ohne Tarnung unternahm er seine Messungen und Notizen in aller Öffentlichkeit, manchmal unter Anteilnahme der Bewohner. Über den Hohen Atlas ist er dabei nie gekommen.
Während Segonzac bei seinen Reisen noch 4 Jahre später aus diesen Gründen im Anti-Atlas den Tod fürchten musste, erlebte Fischer nichts dergleichen. Lag das an seiner Distanz zur Bevölkerung? Oder war der Hohe Atlas zugleich eine Toleranzgrenze zwischen Europa und Afrika und Repressalien waren nur im Gebiet ab dem Hohen Atlas südlich zu fürchten?
Der Wissenschaftler hinterlässt uns in seinen "Wissenschaftliche Ergebnisse einer Reise im Atlas-Vorlande von Marokko" äußerst präzises Kartenmaterial sowie Beobachtungen insbesondere von Geologie, Geographie und Botanik.
Besonders hat uns hier der Teil seiner Reise von Essaouira entlang des Ouad Tensift über Marrakech nach Demnate interessiert.

Fischer Atlas Theobald Fischer

 

* 31. Januar 1846 Kirchsteitz bei Zeitz • † 17. September 1910 in Marburg
Einen ausführlichen Lebenslauf gibt es in Wikipedia: Theobald Fischer.

navi Waypoints Theobald Fischer - Von Essaouira über Marrakech nach Demnate.
Aus „Wissenschaftliche Ergebnisse einer Reise im Atlas-Vorlande“

Das Buch findet man in der Universitätsbibliothek Regensburg.

 

 

1959-1969: Dr. Werner Wrage

Der Hamburger Naturwissenschaftler und Lehrer war wiederholt um die Mitte des 20. Jahrhunderts in Marokko unterwegs. Seine Voraussetzungen waren etwas besser als die der zuvor Vorgestellten. Er benötigte keine Tarnung mehr. Eine Bescheinigung, die ihn als Moslem ausgab erleichterte ihm seine Forschungen und Kontakte zu einheimischen Würdenträgern sehr. Sie öffnete ihm auch die Türen zu Moscheen.
Wenn wir seine Berichte heute lesen ist das Abenteuer pur. Für uns gut vorstellbar aber dennoch weit weg.
Dr. Wrage interessiert sich einfach für alles, später besonders für den afrikanischen Kontinent und ganz besonders für Marokko. Das Land hat ihn in seinen Bann gezogen.

Der hervorragende Erzähler und Fotograf fesselt mit seinen Reiseberichten. Ergänzt mit zahlreichen Farbfotos von Menschen, Tieren, Pflanzen, Landschaften und Gebäuden. Wissensvermittlung für jedermann ganz unwissenschaftlich und alles andere als trocken. Durchmengt mit Erlebnissen, Abenteuern und Geschichte(n). Wrage hat auch Visionen, die wir heute bestätigt sehen. Seine Bücher sind zeitgemäß und wirklich gut lesbar.

Die zahlreichen Studienreisen hat er in 3 Büchern zusammengefasst:

„Frühlingsfahrt in die Sahara“ von 1959 führt quer durch Europa, erster Stopp in Granada, Spanien. Über Ceuta geht es durch das Riff-Gebirge über die Oase Figuig und das Tafilalet weiter nach Algerien. Wrage erinnert an einen Empfang 1954 beim Berberfürsten el Glaui, dem Pascha von Marrakesch in seiner Kasbah in Telouet.
Wrage Frühlingsfahrt

„Die Strasse der Kasbahs“ von 1969 führt u.a. von Goulmima entlang der Straße, die dem Buch den Titel gab über Ouarzazate, das Ounila-Tal mit Telouet nach Marrakesch.
Wrage Kasbahs

„Jenseits des Atlas“ von 1969 ist als 2. Teil zur „Strasse der Kasbahs“ konzipiert. Aber auch wer das Buch nicht kennt, kommt gut klar. Wrage beschreibt u.a. die heutige N9 zwischen Marrakesch und Zagora, reist über Taznakht und Taroudant bis nach Guelmim. Agadir Id Aissa besucht er in abenteuerlicher Fahrt, fährt nach Tafraoute und zum Agadir Tasguent. Weiter über Agadir entlang der Antlantikküste bis in den Norden. Zurück nach Agadir und auf Pisten über den Tizi’n Test bis zu seinem Ziel Marrakesch.
Wrage Atlas

Werner Wrage Trotz intensiver Recherche konnten wir nur wenig Biographisches über Werner Wrage finden. Er erscheint uns etwas geheimnisvoll; viele Fragen bleiben offen.
Warum erschienen seine Marokko-Bücher zu Zeiten des tiefsten „kalten Krieges“ zwischen Ost- und Westdeutschland in einem ostdeutschen Verlag? In einem Land, in dem Papier knapp und den Bewohnern klar war, dass es niemals vorgesehen war, dass sie dieses Land bereisen dürften? Warum fotografierte er auch mit Kameras aus Dresden, aus ostdeutscher Produktion? Zu gern würden wir mehr erfahren.

Um dennoch ein Bild von ihm zu bekommen, geben wir hier Auszüge aus Texten wieder, die uns von spierentonne.de zur Verfügung gestellt wurden und ergänzen mit unseren Gedanken.

*25.10.1905 Hamburg • Realgymnasium des Johanneums Armgartstraße • Realschule Blankenese • Abschlußprüfung (Obersekundareife) • ab ca. 1920 begeisterter Faltbootfahrer • Reifeprüfung Oberrealschule Altona-Ottensen • Abitur • Studium der Naturwissenschaften in Hamburg und Freiburg i. B. • 1929 mündliche Doktorprüfung Hamburg • Bis 1968 Biologie-Lehrer Gymnasium Hamburg-Blankenese • 1995 botanische Exkursion Südafrika • † August 2005

Mit einem VW-Käfer starteten seine Expeditionen immer daheim in Hamburg. Dabei waren bis zu 3 weitere Personen. Zelte samt Schlafsäcken und Luftmatratzen, natürlich Kleidung, zahlreiche Landkarten und Bücher, Kochgeräte und Lebensmittel, zuweilen bis zu 40l Trinkwasser, Geschenke, mehrere Fotoausrüstungen, Tonbandgerät, wissenschaftliche Geräte wie Thermometer, Höhen-, Hygro- und Barometer, Zeichenmaterial, Werkzeug, Ersatzreifen, Benzinkanister und auf dem Dach die riesige Botanisiertrommel…
Auf dem Rückweg von Marokko nach Hamburg waren dann oftmals noch lebende Kleintiere wie Echsen, Schlangen sowie Insekten dabei - nebst notwendigem Futter. Die Botanisiertrommel war gefüllt, zahlreiche Andenken wie z.B. Bekleidung und Musikinstrumente waren gekauft. Erhaltene Geschenke -darunter zuweilen auch Waffen- mussten selbstverständlich auch mit.
Wie ging das?

Prof. Herbert Popp, der sich intensiv mit Wrage beschäftigt hat stellt fest, Wrage sei der Schöpfer des Begriffs „Straße der Kasbahs“. Ihm sei es zu verdanken, dass heute zumindest in jedem deutschen Reiseführer mit dieser Bezeichnung auf den betreffenden Landstrich als auch auf die Speicherburgen Id Aissa und Tasguent hingewiesen wird.
Wrage hat die Hoffnung auf eine spätere touristische Nutzung, befürchtet aber auch den Verfall, dem wir inzwischen begegnen.

In KANU SPORT erinnert Carlo Schagen in dem Beitrag „Zum Tod von Dr. Werner Wrage“ an eine „alte Faltbootlegende“, die im Alter von fast 100 Jahren verstarb:
… Beliebt war er bei seinen Schülern nicht nur deshalb, weil diese sich in der Regel ihre Noten selbst geben durften, sondern vor allem, weil er stets von seinen Reisen allerlei exotisches Getier in den Unterricht mitbrachte, das für Neugier, Aufregung und große Begeisterung sorgte…
…Er zeichnete, aquarellierte und vertiefte sich in Weltreligionen. Er sammelte Gesteine, Schnecken, Muscheln und allerlei völkerkundlich Interessantes, pflegte Tiere und Pflanzen, bis seine Wohnung in Hamburg-Blankenese nur noch einem einzigen Museum glich…

navi Waypoints Werner Wrage - Der Süden. Zusammenfassung aus "Frühlingsfahrt" • "Strasse der Kasbahs" • "Jenseits des Atlas"
Die Waypoints als eBook im PDF-Format mit einer gpx-Datei für das Navi.

Die Bücher von Dr. Wrage sind preiswert antiquarisch erhältlich:

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Frühlingsfahrt in die Sahara

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Die Strasse der Kasbahs - Unter den Berbern Südmarokkos

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Jenseits des Atlas - Unter den Berbern Südmarokkos

Bildnachweis, Quellen und Literaturhinweise:
Kartenausschnitt oben: Ausschnitt aus "Itinéraires au maroc par le Vicomte Charles de Foucauld"
Foto Gerhard Rohlfs: aus Reise durch Marokko, Uebersteigung des grossen Atlas, Exploration der Oasen von Tafilet, Tuat und Titelt und Reise durch die grosse Wüste über Rhadames nach Tripoli., Bremen, 1868. Verlag von J. Kühtmann's Buchhandlung
Waypoints Kartenausschnitte: marokko-erfahren, Map data: © OpenStreetMap contributors, Map style: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)
Fotos Fischer, Foucauld, Lenz, Thomson, Segonzac und Rohlfs sind gemeinfrei, stammen aus Wikimedia Commons
Foto + Texte Werner Wrage mit freundlicher Genehmigung von Spierentonne - Werner Wrage
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
seekajak.ch - Nachruf Werner Wrage
Bei den Literaturverweisen gibt es einige weiterführende und sehr interessante Links!



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