Taroudant

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Taroudant Place Assarag am Abend
• hat marrakesch eine schwester? • nicht nur im winter gut zu ertragen • alte bergwerke • zuckermetropole • regierungssitz spaniens im 13. Jahrhundert? • ausflugsziele aller art • gigantischer souk •

Von den Einheimischen als die kleine Schwester von Marrakesch bezeichnet, waren wir hier erstmals 1991, als wir aus dem Hotel unserer Pauschalreise nach Agadir entfliehen mussten.

Taroudant

Nach inzwischen zahlreichen Besuchen stellen wir fest: Hier ist es noch wirklich ursprünglich und tiefenentspannt. Bleibt man etwas länger, wirkt sich diese Gelassenheit und Entspannung schnell auf den Besucher aus.

Im Gegensatz zu seiner Umgebung bietet der übersichtliche Ort mit ca. 80.000 Einwohnern (2014) aus touristischer Sicht nichts wirklich Spektakuläres. Deshalb sind die Bewohner -im Gegensatz zu zahlreichen anderen Städten in Marokko- nicht unbedingt auf Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Vielleicht gerade aus diesem Grund ist er besonders ursprünglich und dadurch gut zu ertragen? Sehr wohltuend ist es auch, dass man kaum von Schleppern angesprochen wird. Hier ist also wirklich alles gut und mit einer Tüte gesalzener Mandeln in der Hand sogar besonders gut.

Nur eine Autostunde vom Flughafen Agadir Al Massira entfernt ist es hier durch die Lage in der Sous-Ebene im Schutz des Hohen Atlas und unter Einfluss der Meernähe auch im Winter recht mild. Im Sommer ist die Hitze nicht so übermächtig wie in anderen Bereichen.

Palais Salam Die Sehenswürdigkeiten von Taroudant sind schnell erreicht: Das Palais Salam befindet sich in der Kasbah, die von einer inneren Stadtmauer umgeben ist. Ein Teil des alten Herrschersitzes ist zum Hotel umgebaut und kann besichtigt werden. Ein schöner Garten mit Pool empfängt einen hier in totaler Ruhe als Gegenpol zur umliegenden quirligen Stadt. Ein jüdischer Friedhof befindet sich am südlichen Rand der Stadtmauer, nahe bei ist ein jüdisches Wohnhaus zur Besichtigung offen, welches wohl auch von der kleinen jüdischen Gemeinde als Synagoge genutzt wurde. Heute werden hier kunstgewerbliche Artikel aus Vergangenheit und Gegenwart angeboten. Etwas außerhalb der Stadtmauer gelegen aber auch gut zu Fuß erreichbar kann man die Tannerie, die Gerberei besuchen. Hier kann man den Arbeitern bei ihrer harten körperlichen Arbeit über die Schulter sehen und bekommt einiges über die Lederproduktion vermittelt.

Nach einem Bummel durch die komplett durch eine Stadtmauer aus Stampflehm (Pisé) eingefasste alte Stadt kann man gut auf dem zentralen Place al-Alaouine (Place Assarag) mit seinen Teestuben und Cafés bei einem frisch gepressten Orangensaft, einem leckeren Nana - einem Pfefferminztee-, einem Shiba - einem Wermuttee- oder einem Kaffee entspannen. Dabei kann man -wie alle anderen hier auch- das bunte Treiben mit Geschichtenerzählern, Straßenmusikanten und kleinen Händlern die z.B. mit Kleingeld klimpernd einzelne Zigaretten verkaufen, beobachten. Ab und zu kommt ein Bäcker mit einem Blech mit Gebäckstücken vorbei und Schuhputzer bieten mit der Bürste an ihren Kasten klopfend Ihre Dienste an. Immer wieder schallt von den zahlreichen umliegenden Moscheen der Ruf der Muezzins zeitgleich, aber jeder hat seinen Text, seinen Rhythmus und seine Melodie; der eine hat mehr zu sagen, der andere weniger…
Taroudant Zusätzlich zum riesigen Sonntagsmarkt an der Ausfallstraße Richtung Norden vor dem Bab Lkhmis kann man jederzeit im Grand bzw. Arabic Souk oder im Municipal Market ("Berber-Souk"), einem der beiden großen, überdachten und verwinkelten Souks im Herzen der Stadt bummeln und Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände und Souvenirs kaufen. Der Geruch in den Souks ist sehr unterschiedlich: angefangen von ausgesprochen lecker im Gewürzmarkt und wo es Kräuter oder Obst gibt, über chemisch –dort wo die auch bei uns bekannten chinesischen Bekleidungsstücke angeboten wurden bis hin zu nicht bis überhaupt nicht lecker in verschiedenen dunklen Ecken. Touristen sahen wir hier eher wenige, meistenteils Busse mit Tagestouristen vermutlich aus Agadir überlassen am späten Nachmittag die Stadt wieder den Einheimischen.

Vor gut 150 Jahren, 1861 beschreibt der Reiseschriftsteller und Afrikaforscher Gerhard Rohlfs in "Mein erster Aufenthalt in Marokko" die Stadt:

„… jedoch ist fast Alles, was innerhalb der Stadtmauer sich befindet, Garten. Diese Stadtmauer, in sehr verfallenem Zustande … bildet eine unregelmässige Linie, ohne Plan und Kunst angelegt. Taroudant Stadtmauer Alle 50 Schritte werden die Zickzacke von Thürmen flankirt, die jedoch nicht höher als die Mauer selbst sind. Was das Material anbetrifft, aus dem sie sowie alle Häuser erbaut sind, so besteht dasselbe aus mit Häckerling gemischtem und zwischen zwei Brettern gegossenem Lehm….
… nach dem Centrum drängen sich die Häuser, welche meist nur aus einem Erdgeschoss bestehen, mehr zusammen, und hier befinden sich auch die Buden und Gewölbe, wo man arbeitet und verkauft, hier sind auch die Funduks. Moscheen giebt es eine grosse Anzahl, grössere jedoch, die ein Minaret haben, nur fünf.
… man lobt die Lederarbeiten und Färbereien. Hauptgewerk ist Kupferschlägerei, indess beschränkt sich das bloss auf Kessel, auf kleine Geschirre und Sachen.... Aber wie ausgedehnt diese Manufactur ist, geht am besten daraus hervor, wenn ich anführe, dass diese kupfernen Geschirre bis Kuka, Kano und Timbuktu ausgeführt werden. Und wie ergiebig müssen erst die Kupferminen in der Nähe von Tarudant sein, wenn man bedenkt, auf wie primitive Art die Eingebornen dort eine solche Mine ausbeuten. Erzbergwerk Nach der Aussage der Eingebornen soll nicht nur dies Metall, sondern auch Gold, Silber, Eisen und Magneteisenstein in grosser Menge vorkommen. …
Bei der Beschreibung von Tarudant kann ich nicht unerwähnt lassen, dass die einst so berühmten Zuckerplantagen heute nicht mehr existiren. … Auch christliche Sklaven wurden nun zur Fabrikation von Zucker verwandt, und nicht nur aus Marokko oder aus den Sudanländern kamen Leute nach Tarudant, um Zucker zu kaufen, auch Europäer stellten sich ein, sobald sie erfuhren, dass man sie gut behandle. …“

Für uns ist immer der Mix spannend und besonders reizvoll: Ausflüge am Tag in das gleichermaßen schöne wie abwechslungsreiche Umland und danach die totale Entspannung in der Stadt.
Es gibt in der Umgebung zahlreiche Möglichkeiten für jedermann Geschmack, Marokko zu erfahren: Die Täler des Antiatlas und auch des Atlas-Gebirges sind nicht weit und laden zum Wandern und erkunden ein.

Oase Tiout Ein Ausflug könnte in die nahe gelegene Oase Tiout am Fuße des Anti-Atlas gehen. Vorbei geht es in Freija an der Kasbah von Caïd Nasser ben Ali aus dem 20. Jahrhundert, die heute in ein Hotel umgewandelt ist. Auf der anderen Straßenseite befand sich eine Sultansfestung aus dem 16. Jahrhundert, von der nur noch Ruinen erkennbar sind.
Aus der Tiefebene kommend, in der Taroudant liegt, befindet sich Tiout südöstlich am ersten Abhang des Antiatlas: Ein grüner Flecken mit einer Kasbah oberhalb, die bestimmt vor dem Umbau zu einem Massenrestaurant mal sehr schön war aber noch gut als Aussichtspunkt taugt. Unterhalb eines Marabut lädt ein schöner großer Palmengarten zum Spaziergang ein.

Igiliz Besonders interessant empfanden wir einen Ausflug mit Wanderung in das südöstlich gelegene Igiliz, einer Ausgrabungsstätte aus dem 12. Jahrhundert, die auf einem gut geschützten Hochplateau erst 2006 entdeckt wurde. Inzwischen gehen die Forscher davon aus, dass sich nicht wie bislang vermutet in Tinmal sondern hier der Geburtsort von Ibn Tumert, dem Stammvater der Almohaden befindet. Man fand hier die Überreste zahlreicher Wohnhäuser und Wohnhöhlen, einer Moschee sowie einer Kasbah. Wurde von hier aus tatsächlich im 12. Und 13. Jahrhundert durch die Vorgänger der almohadischen Dynastie über weite Teile des Maghreb und Spaniens geherrscht? Von Zeit zu Zeit wird hier von internationalen Teams weiter gegraben und geforscht, sicher werden noch zahlreiche Zeitzeugen der Vergangenheit gefunden werden.
Agadir Tazrout Ein Stück weiter bergan befindet sich ein ganz besonderer Agadir: Tazrout. Vor einigen Jahren durch einen Steinschlag stark beschädigt, ist der Speicher ob seiner exponierten Lage und außergewöhnlichen Optik dennoch sehenswert. Die Berberburg ist malerisch auf dem Gipfel eines Berges gelegen. Zusätzlich geschützt durch das von einer Mauer umgebene Dorf, welches um den Speicher liegt. Eine fantastische Wanderung durch abwechslungsreiche Natur wird mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Von hier aus kann man weit in das Umland schauen; die Burg ist selbst vom Kupferbergwerk an der N7 (alt R109) Richtung Igherm zu sehen.

Selbstverständlich können von Taroudant aus zahlreiche weitere ehrwürdige Igoudar (Mehrzahl Agadir, Speicherburgen) besichtigt werden.

Paradise Valley Und dann ist da noch das andere Paradies-Tal, das „Paradise Valley bei Taroudant“, Richtung Igherm. Nach der etwas längeren Anfahrt wird man belohnt von einer Wanderung entlang von Gärten an einem Bächlein, umgeben und eingerahmt von den kahlen rotbraunen Bergen – traumhaft.

Am Fuße des Antiatlas gibt es einige interessante Marmor-Steinbrüche und stillgelegte Erzbergwerke. Ruinen aus dem 16. Jahrhundert, der Blütezeit der Zuckerproduktion in der Souss-Ebene können besichtigt werden. Ein Ausflug könnte zu den "Cascades" bei Ida Ou Tanane, den Wasserfällen von Immouzer über das "Paradise Valley" und der (-wie wir finden- schöneren) "Oasis Berbère" führen.

Grotte Win Timdouin Ein Abstecher mit Badepause auf gut 1300 m Höhe und traumhafter Aussicht kann zum Eingang eines gewaltigen unterirdischen Flußsystems, der Grotte Win Timdouin führen. Weniger ruhig, dennoch gut erreichbar ist natürlich die Touristenmetropole Agadir mit seinen zahlreichen Angeboten zum Shoppen und Baden. Gebadet werden kann natürlich auch in beschaulicheren Orten am Atlantik: In Tifnit oder Sidi R'bat.

Ouled Teima Palais Bouchaib Auf dem Weg nach Agadir kann auf halbem Weg, in Ouled Teima in den Resten des Palais Caid Bouchaib ein Zwischenstopp eingelegt werden. In der Zeit des Protektorates muss er wohl ein besonders brutaler Herrscher gewesen sein, der seine Landsleute weit über die Forderungen der Besetzer hinaus unterdrückte.

Palais Claudio Bravo Sehr schöne Ausflüge, die gut mit kleinen oder größeren Wanderungen verbunden werden können, führen in die nördlich gelegenen nahen Täler des Hohen Atlas. Zuerst geht es am Museum Palais Claudio Bravo vorbei. In dem von ihm errichteten Palais starb der chilenische Maler 2011. Eine große Anlage mit tollem Garten, indem auch Wasserbecken und Pavillon aus dem Menara-Garten in Marrakech nachgebaut wurden. Wir empfanden dennoch die geforderten 200DH Eintritt (100 DH nur Garten) als nicht angemessen.
Weiter Richtung Berge: Interessant als Ausgangspunkt für Wanderungen sind die Orte Imoulas und Ait Makhlouf. Besonders wenn man diese Orte am Tag des Wochenmarktes besucht ein eindrucksvoller Start. Traditionell kleben hier an den Hängen die kleinen Dörfer. Aber leider hat auch hier der preiswertere Beton überall Einzug gehalten und die Lehmhäuser verfallen mehr und mehr. Überall stehen auch hier am Straßenrand die Überbleibsel der alten Berberfestungen. Obwohl ruinös, lohnt sich dennoch ein genauerer Blick: Mal ist es eine alte Ölmühle mit ihrer grandiosen Technik mit den mannshohen Holzspindeln, riesigen Hebeln und Sandsteinrädern, die dabei steht. Mal sind es Verzierungen, die man entdecken kann.

Kasbah Oulad Berhil Eine gute Autostunde ist Taliouine, die Stadt des Safrans erreicht. Auf dem Weg dahin ist eine Teepause in der sehenswerten Kasbah Oulad Berhil, jetzt Hotel Riad Hida empfehlenswert. Im schönen großen und gepflegten Garten stolzieren die Pfaue umher, Teile können besichtigt werden.

Agadir Tesdremt Nahe Aoulouz, direkt am Stausee nur knapp oberhalb des Wasserspiegels liegt in malerischer Umgebung die Ruine von Agadir n’Tesdremt. Eigentlich hoch über dem Dorf gelegen ist dieses dem Stausee zum Opfer gefallen, nur der Speicher hat den Bau überstanden. In Aoulouz gibt es die Reste der Kasbah von Caïd Derdouri. Bemerkenswert hier ist nur der für diese Region sehr seltene Baustile des Turmes: Genau wie der Turm der Moschee von Tiznit sind auch hier möglicherweise schwarzafrikanische Einflüsse wie z.B. in Mali oder Niger erkennbar: Lange hölzerne Querstangen stehen hervor. Die Geister streiten sich: Sind es die Überbleibsel des Baugerüstes oder dienen diese Stangen der Abwehr böser Geister?

Kurz gesagt: In und um Taroudant kommt keine Langeweile auf und für jedermann Geschmack ist etwas dabei.