Taroudant

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Taroudant Place Assarag am Abend
• hat marrakesch eine schwester? • nicht nur im winter gut zu ertragen • alte bergwerke • zuckermetropole • gigantischer souk • ausflugsziele aller art •

Von den Einheimischen als die kleine Schwester von Marrakesch bezeichnet, waren wir hier erstmals 1991, als wir aus dem Hotel unserer Pauschalreise nach Agadir entfliehen mussten.

Nach inzwischen wiederholtem Besuch stellen wir allmählich fest: Diese Stadt ist gerade als Winterquartier ideal gelegen. Nicht weit vom Flughafen Agadir Al Massira entfernt ist es hier durch die Lage in der Sous-Ebene und unter Einfluss der Meernähe auch im Winter recht mild.
Palais Salam EingangVon hier aus kann man Ausflüge unterschiedlichster Art in die herrliche Umgebung unternehmen aber auch am Trubel der arabischen Kleinstadt teilhaben:
Nach einem Bummel durch die komplett durch eine Stadtmauer aus Stampflehm (Pisé) eingefasste alte Stadt kann man gut auf dem zentralen Place al-Alaouine (Place Assarag) mit seinen Teestuben und Cafés bei einem frisch gepressten Orangensaft, einem leckeren Nana - einem Pfefferminztee-, einem Shiba - einem Wermuttee- oder einem Kaffee entspannen. Dabei kann man -wie alle anderen hier auch- das bunte Treiben mit Geschichtenerzählern, Straßenmusikanten und kleinen Händlern die z.B. mit Kleingeld klimpernd einzelne Zigaretten verkaufen, beobachten. Ab und zu kommt ein Bäcker mit einem Blech mit Gebäckstücken vorbei und Schuhputzer bieten mit der Bürste an ihren Kasten klopfend Ihre Dienste an. Immer wieder schallt von den zahlreichen umliegenden Moscheen der Ruf der Muezzins zeitgleich, aber jeder hat seinen Text, seinen Rhythmus und seine Melodie; der eine hat mehr zu sagen, der andere weniger…
Zusätzlich zum riesigen Sonntagsmarkt an der Ausfallstraße Richtung Norden vor dem Bab Lkhmis kann man jederzeit im Grand bzw. Arabic Souk oder im Municipal Market ("Berber-Souk"), einem der beiden großen, überdachten und verwinkelten Souks im Herzen der Stadt bummeln und Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände und Souvenirs kaufen. Der Geruch in den Souks ist sehr unterschiedlich: angefangen von ausgesprochen lecker im Gewürzmarkt und wo es Kräuter oder Obst gibt, über chemisch –dort wo die auch bei uns bekannten chinesischen Bekleidungsstücke angeboten wurden bis hin zu nicht bis überhaupt nicht lecker in verschiedenen dunklen Ecken. Souk Taroudant Sehr wohltuend ist es auch, dass man kaum von Schleppern angesprochen wird. Hier ist also wirklich alles gut und mit einer Tüte gesalzener Mandeln in der Hand sogar besonders gut.
Touristen sahen wir hier eher wenige, meistenteils Busse mit Tagestouristen vermutlich aus Agadir überlassen am späten Nachmittag die Stadt wieder den Einheimischen.
Lohnend und für eine Ruhepause geeignet ist ein Besuch im Palais Salam, direkt an der Stadtmauer gelegen.

Vor gut 150 Jahren, 1861 beschreibt der Reiseschriftsteller und Afrikaforscher Gerhard Rohlfs in "Mein erster Aufenthalt in Marokko" die Stadt:

„… jedoch ist fast Alles, was innerhalb der Stadtmauer sich befindet, Garten. Diese Stadtmauer, in sehr verfallenem Zustande … bildet eine unregelmässige Linie, ohne Plan und Kunst angelegt. Taroudant Stadtmauer Alle 50 Schritte werden die Zickzacke von Thürmen flankirt, die jedoch nicht höher als die Mauer selbst sind. Was das Material anbetrifft, aus dem sie sowie alle Häuser erbaut sind, so besteht dasselbe aus mit Häckerling gemischtem und zwischen zwei Brettern gegossenem Lehm….
… nach dem Centrum drängen sich die Häuser, welche meist nur aus einem Erdgeschoss bestehen, mehr zusammen, und hier befinden sich auch die Buden und Gewölbe, wo man arbeitet und verkauft, hier sind auch die Funduks. Moscheen giebt es eine grosse Anzahl, grössere jedoch, die ein Minaret haben, nur fünf.
… man lobt die Lederarbeiten und Färbereien. Hauptgewerk ist Kupferschlägerei, indess beschränkt sich das bloss auf Kessel, auf kleine Geschirre und Sachen.... Aber wie ausgedehnt diese Manufactur ist, geht am besten daraus hervor, wenn ich anführe, dass diese kupfernen Geschirre bis Kuka, Kano und Timbuktu ausgeführt werden. Und wie ergiebig müssen erst die Kupferminen in der Nähe von Tarudant sein, wenn man bedenkt, auf wie primitive Art die Eingebornen dort eine solche Mine ausbeuten. Erzbergwerk Nach der Aussage der Eingebornen soll nicht nur dies Metall, sondern auch Gold, Silber, Eisen und Magneteisenstein in grosser Menge vorkommen. …
Bei der Beschreibung von Tarudant kann ich nicht unerwähnt lassen, dass die einst so berühmten Zuckerplantagen heute nicht mehr existiren. … Auch christliche Sklaven wurden nun zur Fabrikation von Zucker verwandt, und nicht nur aus Marokko oder aus den Sudanländern kamen Leute nach Tarudant, um Zucker zu kaufen, auch Europäer stellten sich ein, sobald sie erfuhren, dass man sie gut behandle. …“

Und wenn man dann dem Trubel für einen Tag entrinnen möchte, gibt es in der Umgebung zahlreiche Möglichkeiten der Entspannung für jedermann Geschmack: Die Täler des Antiatlas und auch des Atlas-Gebrges sind nicht weit und laden zum Wandern ein, ehrwürdige Agadire können besichtigt werden. Am Fuße des Antiatlas gibt es einige interessante Marmor-Steinbrüche und stillgelegte Erzbergwerke. Ruinen aus dem 16. Jahrhundert, der Blütezeit der Zuckerproduktion in der Souss-Ebene können besichtigt werden. Ein Ausflug könnte zu den "Cascades" bei Ida Ou Tanane, den Wasserfällen von Immouzer über das "Paradise Valley" und der (-wie wir finden- schöneren) "Oasis Berbère" führen. Paradise Valley Ein Abstecher mit Badepause auf gut 1300 m Höhe und traumhafter Aussicht kann zum Eingang eines gewaltigen unterirdischen Flußsystems, der Grotte Win Timdouin führen. Weniger ruhig, dennoch gut erreichbar ist natürlich Agadir mit seinen zahlreichen Angeboten zum Shoppen und Baden. Gebadet werden kann natürlich auch in beschaulicheren Orten am Atlantik: In Tifnit oder Sidi R'bat.
Ein Ausflug könnte in die nahe gelegene Oase Tiout am Fuße des Anti-Atlas gehen. Aus der Tiefebene kommend, in der Taroudant liegt, befindet sich Tiout südöstlich am ersten Abhang des Antiatlas: Ein grüner Flecken mit einer Kasbah oberhalb, die bestimmt vor dem Umbau zu einem Massenrestaurant mal sehr schön war aber noch gut als Aussichtspunkt taugt. Unterhalb ein Marabut und ein schöner großer Palmengarten der zum Spaziergang einlädt.

Sehr schön ist bei der Weiterfahrt auf der N10 Richtung Osten auch ein Zwischenstopp in der sehenswerten Kasbah Oulad Berhil, jetzt Hotel Riad Hida.

Und dann ist da noch das andere Paradies-Tal, das „Paradise Valley bei Taroudant“. Nach der etwas längeren Anfahrt wird man belohnt von einer Wanderung entlang von Gärten an einem Bächlein, umgeben und eingerahmt von den kahlen rotbraunen Bergen – traumhaft.

Kurz gesagt: In und um Taroudant kommt keine Langeweile auf und für jedermann Geschmack ist etwas dabei.