Taliouine und Taznakht, Djebel Siroua

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Taznakht
• eingeschlossen im hotel • 50 km lange asphaltierte Sackgassen • arabische Minarette • knuffige steinkeulen • ksar namens agadir •

Sind wir in Saudi-Arabien? Wir sehen runde, farbige und filigran verzierte Minarette. 2 davon ragen über das kleine Dorf aus rosa Lehmhäusern, die sich ordentlich in Etagen am Hang aufreihen. Minaret Überhaupt erscheint uns hier alles besonders ordentlich. Das Tal, die gegenüber liegenden Dreschplätze. Die Felder und Bäume scheinen hier ganz besonders grün? An der betonierten Turmuhr am Minarett ist es jederzeit 10 nach 12. Oder? Beide Zeiger sind gleich lang, es könnte also auch um 2 sein? Aber etwas stört das Bild: Die alt ehrwürdige Speicherburg aus gestapelten grauen Lesesteinen oberhalb wirkt wie aus einer anderen Welt, so plump und unbeholfen in dieser feingliedrigen farbigen Umgebung. Sie passt hier gar nicht her und holt uns zurück zu unserem Vorhaben: Wir sind im Siroua unterwegs, dem Gebirge vulkanischen Ursprunges zwischen Atlas und Anti-Atlas, wollen wandern und Vergangenes entdecken. Und all das kann man gut von Taznakht und Taliouine aus.

Taliouine befindet sich in einem langgestreckten Tal am Fuße des Gebirgsmassives Djebel Siroua (Jbel Sirwa). Der Ort zieht sich entlang der N 10 auf einer Seite des Flusses, der kurze Zeit später die fruchtbare Souss-Ebene bewässert. Die N10 ist nach wie vor eine wichtige Handelsverbindung zwischen Ost und West. Sie verbindet Agadir über Taroudant im Westen und Ouarzazate über Taznakht im Osten. Außerdem endet in der Nähe die R 106, die östlich von Tafraoute beginnt und die Verlängerung der Handelswege auch von der südwestlichen Küste durch den Anti-Atlas darstellt.
Hier gibt es Geschäfte, aus den Teestuben lässt sich das quirlige Treiben beobachten. Auf Grund seiner zentralen Lage ist hier ein großer Wochen-Markt: jenseits des Flusses, etwas außerhalb des Ortes öffnet dann gegen 8 Uhr ein großer Souk. Es macht den Eindruck, als ob hier ein extra Dorf eigens zu diesem Zweck entstanden ist.
Kasbah Auf zwei Hügeln diesseits und jenseits des Flusses liegen Agadir-Ruinen, von denen man einen tollen Blick über das Tal hat. Am östlichen Ortsrand befindet sich eine Kasbah der El Glaoui, die man auf jeden Fall besichtigt haben sollte. Auch wenn sie leider teilweise in Ruinen liegt - die Vorderfront ist erst im Spätsommer 2015 komplett eingestürzt- kann man an vielen gut erhaltenen Details den ehemaligen Prunk erahnen. Der Umfang des Geländes ist gewaltig: Etwas außerhalb liegt das Gerichtsgebäude mit dem darunter liegenden Kerker. Ein Teil des Palastes ist intakt: der Pascha-Sitz neben der Kasbah.
Weitere Kasbahs und selbst ein jüdischer Friedhof locken in der nahen Umgebung zu Erkundungen.

Agadir Ifri Vor allem aber im Frühjahr und Herbst ist der Ort als einer der Ausgangspunkte für ausgedehnte Wanderungen in den bis zu 3300 m hohen Djebel Siroua hervorragend geeignet. Die Landschaft ist derart abwechslungsreich wie reizvoll und sie versteckt so manch eine Überraschung. Nur noch wenige mit einem normalen PKW gut befahrbare Straßen und schroffe, tief abfallende Täler sorgen dafür, dass sich kaum ein Fremder hierher "verirrt" und man die malerisch dazwischen liegenden lieblich langgestreckten leicht grünen Hochebenen so gut wie für sich allein hat. Und diese Weite, diese unendlich wirkende Weite hier ist nur schwer zu begreifen, erst recht nicht zu fotografieren - man muss sie einfach direkt erfahren!
Safran Krokus Diese Abgeschiedenheit der Region und den damit verbundenen Schutz haben die Menschen bereits vor einigen Tausend Jahren auch bemerkt; deswegen gibt es hier zahlreiche Zeitzeugen möglicherweise auch vorislamischer Besiedlung. Immer wieder kann man auf Wanderungen Tumuli, Steinkreise und auch Felsgravuren entdecken.
Ende Oktober/Anfang November blüht in den Tälern des Sirwa der Safran-Krokus, jährlich wird in Taliouine ein Festival gefeiert. Die Frauen ernten die Krokusse am Morgen und zupfen die aromatischen wertvollen tief orangefarbenen Blütenstempel aus. Überall sieht man an den Wegrändern danach die lilafarbenen Krokusse liegen, Ihrer Stempel beraubt. In dieser Region wird viel mit Safran gewürzt; häufig wird Safrantee gereicht. Früher wurde der Farbstoff auch zum Färben genutzt.
Safran Krokus Wir waren sehr erfreut: Wir fanden im Djebel Sirwa auch eine große Häufung von Speicherburgen, die hier wohl zumeist nicht so alt wie im Anti-Atlas sind dafür aber umso lebendiger, unverbrauchter und zumindest teilweise besser erhalten. Viele von ihnen sind noch in umfänglicher traditioneller Nutzung und die Nutzer zeigen gern voller Stolz das Innere der Speicher und geben Einblick in die traditionellen Arbeitsabläufe. Hier findet man tatsächlich noch den Amin und seine Katze, die die Kammern mit den traditionell farbig bemalten Speichertüren und den Holzschlössern bewachen, hier liegen Gebrauchsgegenstände und auch je nach Jahreszeit die Ernte der Dorfbewohner. Die Gebäude an sich werden -da sie noch gebraucht werden- wie eh und je von den Männern des Dorfes aus eigenen Mitteln gemeinschaftlich repariert. Und die Speicher, die aufgegeben wurden, stehen oftmals in derart exponierter Lage, dass allein der Ausblick von diesen Standpunkten die Mühe des Aufstieges wert ist.
Ksar Etwas östlich von Taliouine führt die P1743 durch sehenswerte Gegenden direkt in Richtung Süden und stößt zwischen Tata und Tissint auf die N12. Hier liegen einige sehr interessante Ziele versteckt: Einigermaßen bekannt ist Agadir Ifri, wo man wie auch in Tizgui eine der Ausnahme-Speicherburgen Marokkos findet, die in eine Felswand gebaut sind und so zugleich Schutz von oben boten. Im weiteren Verlauf der Straße kommt man auf mehrere Ksour, die von weitem wie ein Agadir aussehen: Von einer hohen Steinmauer umgeben und fensterlos kommt man nur durch ein Tor in das kleine, wehrhafte Ksar Agadir n‘Tala mit seiner kompletten, notwendigen Infrastruktur. Absolut sehenswert und gut zu erwandern!
Teppiche Ebenfalls gut geeignet als Ausgangspunkt für Erkundungen im Djebel Sirwa ist Taznakht. Von Talioine aus gelangt man schnell über die N10 hierher, die notwendigen touristischen Strukturen sind vorhanden. Taznakht ist die Teppichmetropole Marokkos. Hier werden sie traditionell gefertigt, viele Geschäfte an den Hauptstraßen zeugen davon. Und nicht jedem muss passieren, was wir hier erlebt haben: Als einzige Gäste während des Ramadan im Hotel waren wir eingeschlossen. Nicht nur wir, auch unser Auto war hinter einem Stahltor auf dem Hotelparkplatz gut gesichert, weit und breit kein Mitarbeiter zu sehen. Wozu auch? Aber für unseren Ausbruch gab es natürlich auch eine Lösung - so ist Marokko.
Djebel Siroua Auf dem Weg zwischen Taznakht und Taliouine sollte man unbedingt die langweilige Landschaft entlang der N10 ein kleines Stück auslassen, indem man einen kleinen Umweg durch das Becken von Taznakht fährt: unbeschreibliche Landschaft pur. Eine endlose platte Ebene mit einigen aufgegebenen Bergwerken und vereinzelten kegelförmigen Bergen, umringt von steil aufsteigenden Felswänden auf deren Felsspitzen -wie sollte es anders sein- malerisch die ein oder andere Agadir-Ruine steht. Einfach vorbei fahren und staunen oder hochklettern, erkunden und freuen!
Tizlit Von Taznakht aus kann man auf zwei asphaltierten Sackgassen, eine davon ist fast 50 km lang, mit jedem PKW weit in den Sirwa hinein fahren und dort auf Erkundungstour gehen. Tageswanderungen auf angenehmen Pisten über grüne Hochplateaus, auf Wunsch verbunden mit etwas Geschichte aus älterer oder jüngerer Zeit, eine traumhafte Angelegenheit. Auf den Wegen unterwegs findet man auch immer wieder geologische Besonderheiten, die zu Phantasiereisen reizen wie z.B. die lustigen, knuffigen Felskeulen oder Felssäulen in der Nähe von Tizlit.
Weiter geht es von Taznakht aus auf hervorragenden Straßen in Richtung Osten, nach Ouarzazate oder südlich z.B. über Agdz in Richtung Zagora.