Sidi Ifni

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Sidi Ifni


Die Atlantikküste ist schon beeindruckend, aber wenn man in den Ort Sidi Ifni mit seinen weiß getünchten Häusern und blauen Fenstern und Türen hineinfährt, macht sich einfach nur positive Urlaubsstimmung breit. Dieses angenehme freundliche Gefühl haben wir während unseres Aufenthalts vor Ort ständig empfunden. Sidi Ifni Die ehemalige spanische Kolonie weist eine sehr ansprechende Architektur im Stil des Art-déco auf, auch wenn einige der ehemals imposanten Häuser heute leider mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben sind. Noch immer erinnern die spanischen Straßenschilder an die Vergangenheit.

Der Ort präsentiert sich insgesamt durchweg angenehm - mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, einem kleinen Souk und vielen kleinen Gaststätten, in denen man hervorragend fangfrischen Fisch in zahlreichen Variationen essen kann. Der große Wochenmarkt ist sehenswert. Eine breite Strandpromenade lädt zum Flanieren ein und bietet atemberaubende Ausblicke auf die Küste.
Wer sich für die Herkunft des Fisches interessiert, kann im Hafen den Fischern bei ihrer nachmittäglichen Arbeit zusehen und einen Eindruck gewinnen, wie hart die reine handwerkliche Arbeit dort ist, bis der Fisch auf dem Teller liegt!
Druckmaschine Albert & Co Seit 2018 gibt es hier ein kleines Museum für Stadtgeschichte. Besonders beeindruckend eine 12 Tonnen schwere Druckmaschine der Schnellpressenfabrik Albert & Co aus Frankenthal/Deutschland, die hier 1945 in Dienst genommen wurde.
Neben der Erkundung des Ortes besteht auch die Möglichkeit, die in der Nähe liegenden Orte Sidi Ouarzeg (Sidi Ouarzig) oder den idyllisch gelegenen Badeort Legzira zu besuchen. Wir waren - in der Zeit des Ramadans, aber auch im Dezember - die einzigen Badegäste an einem ausgedehnten Strand mit feinstem Sand! Einer der Felsbögen ist 2016 eingebrochen, dennoch: beeindruckend sind dort neben der Weite die riesigen Felstore aus rotem Gestein, die aus dem Dunst auftauchen, Schatten spenden und ideal für unzählige Fotomotive sind.

Gleitschirmflieger Nicht nur bei Surfern und Wellenreitern beliebt ist der Küstenstreifen zwischen Sidi Ouarzig über Mirleft bis nach Aglou-Plage bei Tiznit, auch für Gleitschirmflieger gibt es hier zahlreiche Angebote und Möglichkeiten. Und für ganz neugierige und mutige werden Tandemflüge angeboten!

Nicht weit ist es nach Guelmim, zur Oase Tighmert und zum Plache Blanche.

Bis 1969 war Sidi Ifni und das umliegende Gebiet eine spanische Enklave. Aus dieser Zeit sind noch die Reste einiger französischer Grenzstationen übriggeblieben, die man von hier aus (friedlich) erobern kann. Dazu gehört natürlich das bekannte Fort Bou Jerif aber auch ein sehenswertes Fort bei Andja.
Viel weiter zurück liegt die Entstehungsgeschichte der Stadt, die früher Santa-Cruz de Marpequña hieß. Recht kurios erscheint uns hier, was wir bei Oskar Lenz in „Timbuktu. Reise durch Marokko“ 1879/1880 lesen:

Spanien hatte sich 1860 ausdrücklich Santa-Cruz de Marpequña ausbedungen, um einen Fischereiplatz zu haben, der in der Nähe der Canarischen Inseln liegt. Seit jener Zeit hat sich aber Spanien nicht um die Angelegenheit gekümmert.
Das Merkwürdigste aber ist, dass man gar nicht wusste, wo dieses Santa-Cruz de Marpequña liegt. Man schickte 1878 ein Schiff aus, mit einer gelehrten Commission an Bord, die eine sehr genaue Küstenaufnahme der Strecke zwischen dem 28. und 20. Breitengrad gemacht hat, ungefähr die Gegend zwischen Wad Nun (welcher Fluss übrigens bei den Einheimischen Asaka heisst) und der Mündung des Wad Draa. Es scheint, dass keine Einigkeit der Ansichten über die Lage von Santa-Cruz de Marpequña herrschte.

Cloud fishing Ein kontrastreicher Ausflug führt in die Berge und in die Zukunft. Auf dem 1250m hohen Bou Timizguida gibt es ein zukunftsweisendes, ganz besonderes Projekt: Eine CloudFisher-Anlage, die zumindest 2019 größte Nebelfänger-Anlage der Welt. Zukunftsweisend wird hier aus dem vom Meer aufsteigenden Nebel Trinkwasser gewonnen, über 1200 Menschen werden damit versorgt.

Noch ein Rückblick nach Legzira in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als es noch als Insider-Tipp galt. Peter Kohle beschreibt in "Afrika - Patt Problem" die Bucht in dieser Zeit:

Steintor Legzira Es gibt nicht das kleinste Hinweisschild und es ist so gut wie nicht zu finden. Erst wenn man die nur schwer befahrbare Piste hinter sich gebracht hat, landet man an einer Plattform auf der Steilküste und sieht nichts. Geht man durch Kakteen, etwas Müll und Gestrüpp weit an den Rand der Steilküste, sieht man unten am Strand einige rote, zum Teil schilfgedeckte Lehmhütten…, daneben eine Baustelle und die rosa Rückwand des Hotels… .
Legzira ist ein Ort für den zweiten Blick. Unten angekommen sahen wir, daß das Hotel halb in den Felsen hinein gebaut wurde … . Das einfache Gebäude zeigte verspielte Liebe zum Detail. Alles, drinnen wie draußen, war gepflegt, unter Farbe und liebevoll beschriftet. An der Außenfassade sahen wir erstmals das Wort LEGZIRA, Restaurant & Café, neben einem bunten Phantasielogo.
Wir nahmen auf der Terrasse Platz, auf der sich einige Hunde und Katzen in der Sonne rekelten und tranken einen Thé la Menthe. Der junge, marokkanische Inhaber setzte sich zu uns und er vermittelte frisches Engagement mit Aufbruchscharakter ohne Dollar-Blick und Hektik. Er liebte den Platz und war eifrig bemüht, etwas Gutes entstehen zu lassen - little by little, wie er sich ausdrückte - alles schien in den Anfängen und charmant provisorisch. … Strom gab`s noch keinen aber einen kosmischen Ausblick auf den Atlantik sowie einer Felsgruppe in der Brandung. ... Auf ihr saßen Fischer mit langen Angeln und gingen ihrem Tagwerk nach. Während der Flut paddelten sie in winzigen Booten aus umgebauten Schläuchen von LKW-Reifen um den Felsen, um auf diesem Weg den Fischen nachzustellen - schön zu beobachten. …
Auf unsere Frage nach dem Übernachtungspreis antwortete er, fast etwas verlegen, 40 Dirham - das sind um die acht Mark. … Links des Hotels liegen in Buchten langläufige Sandstrände und kleinere Dünen, der Steilküste vorgelagert, die durch Felsvorsprünge von kathedralen Ausmaßen voneinander getrennt sind. Wind und Wasser haben große, runde Tore in die gigantischen Felsen gespült. Geht man durch sie hindurch, beeindrucken die gewaltigen Dimensionen und man erfährt ein einmaliges, akustisches Erlebnis. Auf einigen Strandabschnitten liegen Tausende, rundgeschliffene Steine in allen Farben, die häufigste Farbe ist blau. Die Wellen rollen diese Steine gegeneinander und in diesen höhlenartigen Toren und Wölbungen der Felsen hallt dieses Geräusch, vermischt mit dem Sound der brechenden Wellen, von den Felswänden vielfältig wider. Abends geht die Sonne über dem Meer unter und beleuchtet diese bizarren Felsformationen mit warmen Abendlicht, und die Eindrücke verändern sich durch Licht und Schatten ständig, bis die Sonne im Meer versinkt. Ein meditativer Ort, an dem jemand, der entsprechende Eindrücke und Feelings zu schätzen weiß, bestimmt seine Freude haben wird.

Fotos von Ort und Umgebung:

Fotoalbum Sidi Ifni