Marabouts und Zaouïas in Marokko


Marabout

Marabout

Sie fallen auf und faszinieren: Oftmals schon von weitem sichtbar auf Bergkuppen oder in anderer malerischer Lage stehen kleine würfelförmige Bauwerke mit einer Kuppel darauf. Meist schlicht, selten verziert aber eigentlich immer sehr gepflegt, weiß oder rötlich gekalkt und manchmal mit farbiger Kuppel. Die Grabmahle von Marabuts, von islamischen Gelehrten, „geistigen Führern“, verehrungswürdigen Frauen und Männern, denen zumeist aufgrund Ihrer Abstammung, seltener durch besondere Taten oder Fähigkeiten auch über ihren Tod hinaus besondere Segenskraft, Heilkraft „Baraka“ zugesprochen wird.
Benannt wird das Grab nach dem Namen des Verstorbenen, dem "Lalla" (meine Herrin) oder "Sidi" (mein Herr) vorweggestellt wird. Marabout Schnell begreift man so: Viele Ortsnamen im Berberland, die das Wort Lalla oder Sidi enthalten, sind von den dort ehemals tätigen geistigen Führern abgeleitet und zumeist findet man diese Grabmahle heute immer noch.
Uns fiel auf, dass auch oft Quellen den Namen von Frauen bekamen, eine Quelle mit "Sidi" ist uns nicht bekannt.
Oftmals entstand umgebend ein Friedhof, damit die hier begrabenen an der Baraka teilhaben. In manchen Fällen sind die Grabmahle auch von anderen Gebäuden umgeben oder in diese integriert wie bei einigen Igoudar, Kasbahs, Moscheen oder Zaoïas, auch Zawiyas genannt.
Das sind Sufi-Zentren, islamischen Bruderschaften bzw. islamische Glaubensschulen. Marabout Diese beschäftigten oder beschäftigen sich noch mit den unterschiedlichsten Themen: In Sidi Ahmed ou Moussa auf dem Weg zwischen Tiznit und Tafraout z.B. befand sich eine Artisten-Schule, die im 19. Jahrhundert in der internationalen Zirkusszene Berühmtheit erlangte. In anderen Zaoïas wiederum wurde wissenschaftlich gearbeitet und Forschung betrieben, hier gibt es sehr alte und umfassende Bibliotheken, deren Sammlung teilweise bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden können.
Die Verehrung hält an und so ist auch der meistenteils gute bis sehr gute bauliche Zustand zu erklären. An einigen dieser Gräber wird einmal jährlich, meist zum (manchmal auch vermuteten) Todestag, selten auch mehrmals im Jahr dort eine Fest zu Ehren des Verstorbenen, ein Moussem abgehalten. Marabout Inzwischen hat das oft den Charakter eines Volksfestes, oftmals verbunden mit dem Wochenmarkt, dem Souk. Große Zeltstädte werden eigens dafür aufgebaut. Der traditionelle kulturell-religöse Aspekt steht am Rande. Obwohl es offiziell im islamischen Glauben keine Alternative zur einmaligen Pflicht-Pilgerfahrt nach Mekka, der Haddsch (Hadsch) gibt, existiert im marokkanischen Volksglauben oftmals die Ansicht, ein mehrmaliges Pilgern zu einem der "anerkannten" Marabouts diene als Ersatz-Pilgerort für Wallfahrer.
Der Besucher eines heiligen Ortes versucht, die göttliche Segenskraft Bakara zu empfangen und mit nach Hause zu nehmen. Tücher oder Glücksbringer werden mit dem Grab in Kontakt gebracht, damit sie diese Kraft aufnehmen. Ein anderes Symbol der Baraka ist inzwischen die "Hand der Fatima", die einst bei den Berbern vor deren Islamisierung gegen den bösen Blick schützen sollte und die man heute in Marokko überall sieht. Marabout Aber auch in verschiedenen Materialien wie z.B. in Silber und verschiedenen Halbedelsteinen, aber auch in Henna steckt die göttliche Kraft bzw. sie ist für die Übertragung besonders gut geeignet.
Leicht sind diese religiösen Gebäude schon aus der Ferne erkennbar: Genauso wie viele Moscheen haben sie Dachziegel mit grüner Glasur, der Farbe des Islam. Einst war diese Farbe lediglich religiösen Bauten vorbehalten.

Auch wenn dem Nicht-Moslem der Zutritt nicht gestattet ist: Er darf auf das Gelände der Glaubensschulen und auf die Friedhöfe. Nur in die Gebäude hinein darf er nur in ganz wenigen Ausnahmefällen - genauso wie bei den Moscheen.

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