Ksar / Ksur / Ksour - befestigte Dörfer, Wehrdörfer


Ksar

Ksar

Ksar / Ksur, (Mehrzahl Ksour) sind dauerhaft bewohnte nach außen geschützte, wehrhafte komplette Dörfer bis hin zu Kleinstädten. Diese können regional bedingt vollkommen unterschiedlich aufgebaut sein: Im Westen bestehen sie eher aus mehreren, oftmals ineinander übergehenden Wohnburgen, Tighermatin (Mehrzahl von Tighremt). Hier bieten die aneinander gereihten fensterlosen glatten, hohen Außenmauern den Schutz. Im Osten sind es Dörfer, bestehend aus normalen Wohnhäusern. Diese sind durch eine umlaufende Mauer -oft mit Türmen- geschützt. Von hier aus verteidigten sich die Dorfbewohner gemeinsam gegen Angreifer.
Alle hatten -je nach Dorfgröße- mindestens ein durch eine schwere Holzpforte verschließbares Torgebäude. Auf den langen Steinbänken hinter dem Tor im Schatten des Gebäudes versammelten sich die Männer und besprachen die Neuigkeiten. Die Toten wurden hier aufgebahrt, Gäste wurden beherbergt und der Dorfstier hatte im Erdgeschoß sein Quartier.
Ksar In den größeren Dörfern gibt es manchmal sogar auch eine Mellah, ein jüdisches Wohnviertel und einen jüdischen Friedhof.
Immer beobachteten wir: Für den Bau des Ksar wurde kein wertvolles Acker- oder Weideland blockiert, die Dörfer wurden immer auf dem felsigen, unfruchtbaren Boden daneben errichtet. Hierdurch kam es oft zu dem festungsartigen Aufbau auf Bergkuppen, der zusätzlichen Schutz brachte und heute für die malerische Optik sorgt.
Die Dörfer haben alles, was es zum längeren autarken überleben dort braucht: Zuerst mal natürlich unterirdische Wasserspeicher, die oftmals wegen der Menge und Größe auch vor den Mauern liegen. Ksar Diese Zisternen werden über ein ausgeklügeltes System mit Regenwasser versorgt, ein Rinnensystem mit Vorfiltern, in denen sich der Schmutz ablagern kann führt manchmal durch das gesamte Dorf aber auch außerhalb in diese großen Speicher. Oftmals gibt es auch einen sehr geschützt liegenden Brunnen, der für Frischwasser sorgte. Vor den Toren des Dorfes befanden sich auch die Friedhöfe und die mit flachen Lesesteinen gepflasterten kreisrunden, oft in Terrassen untereinander angelegten Dreschplätze.

Über schmale, verwinkelte Gassen erreicht man in den Dörfern die Wohnhäusern und natürlich eine Moschee. Ksar Manchmal gibt es einen öffentlichen Platz, sicher für Versammlungen, im Ksar n'Tigida fanden wir sogar Bienenstöcke! Und im Ksar Assa gab es ein kleines Theater. Unter diesem Schutz wurden natürlich auch die Vorräte aufbewahrt, in seltenen Fällen gab es dafür innerhalb noch mal eine extra gesicherte Speicherburg, ein Agadir (z.B. Ksar Zrhenrhine).
Einen Vorteil der engen Bebauung und Besiedlung konnten wir im Ksar Icht gut begreifen: Im Grunde das ganze Dorf ist überdacht, von Wohnhäusern nach oben geschlossen. Ksar Die Zugänge zu diesen erfolgten ebenerdig über Gassen, die aber allesamt durch die Wohnhäuser überbaut, überdacht waren und so ein Tunnelsystem bildeten. Eine bessere Wärmeregulierung gibt es wohl nicht, hier zusätzlich noch mit den Vorteilen des Lehmbaues verbunden. Man mag es glauben: Im Sommer wird es hier tatsächlich nicht sehr warm, wie auch, wo es keinerlei Sonneneinstrahlung gibt. Und im Winter kühlt es durch die enge Besiedlung nicht aus. Hinzu kommt, dass jeweils im Erdgeschoß die Tiere untergebracht waren und so im Grunde als Heizung dienten. Energieeffizienz nennen wir das heute.

Ksar Oftmals enthalten die Ortsbezeichnungen "Ait" -Söhne von-: In vielen Fällen wurde ein Ksar von den Mitgliedern einer Großfamilie oder Sippschaft, eines Clans gehalten und bewohnt. Ksar Aït Ben-Haddou beispielsweise bedeutete dann also sinngemäß das Dorf der Söhne von Ben-Haddou.

Erkennt man hier Parallelen zu den Wehrdörfern im mittelalterlichen Europa? Auch die Wachtürme, aus der europäischen Burgenforschung als Wartturm, Warte, Warth, Wachtturm, Landwarte oder Burgwarte bekannt, gibt es hier. Vieles klingt ähnlich und lässt vermuten: So weit war die nordafrikanische Baukultur von der europäischen gar nicht entfernt. Es stellt sich daraus die Frage: Wer hat was von wem?


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