Khettaras in Marokko


Khettara Schnitt

Ein Quanat - in Marokko Khettara, Foggara oder auch Rhetara genannt - stark vereinfacht kurz erklärt:
Über einen unterirdischen, von Sklavenhand gegrabenen Stollen werden wasserführende Schichten oder Quellen unterirdisch angezapft und das Wasser aus den Bergen manchmal über große Entfernungen verlustarm (da verdunstungsfrei) in die Täler geleitet, um dort Oasen-Gärten zu bewässern. Für die Erbauung der Stollen und deren später ständig notwendige Pflege und Reinigung erhielten sie ca. alle 10-20 m senkrecht von oben einen Wartungsschacht, ebenfalls handgegraben. Der beträchtliche Aushub aus den Schächten und Stollen wird oben um die Schachtausgänge kraterartig aufgetürmt.
Khettara Natürlich ist alles noch etwas komplizierter. Details dazu werden im Artikel von Wikipedia: Qanate - Khettaras besser erklärt als das hier geschehen könnte.
Wie so oft in Marokko: Keiner weiß genau, wie alt die Bauwerke hier sind. Vermutet wird, 400 oder 500 Jahre könnten es sein. Und dann bedenke man die notwendige vorbereitende "ingenieurtechnische" und planerische Leistung für diesen Bau! Und so manch eine funktioniert noch heute, tut noch immer ihren Dienst.
Der Verlauf der Leitungen ist durch diese Trichter selbst in der Satelliten-Ansicht sichtbar!

Wir waren schon ziemlich platt und überwältigt, als wir in der Nähe von Amtoudi/Aït Herbil vor den riesigen zu Trichtern erodierten Wartungsschächten "unserer" ersten Khettara standen. Ca. 4 oder 6 m gings da in die Tiefe. Der Grund des Stollens lag im Dunkeln, war nicht zu erkennen. Wir kletterten an einer eingestürzten Stelle, die inzwischen von Palmen bewachsen war hinab, um einige Meter in gebückter Haltung in einem inzwischen trockenen Stollen zu gehen. Wir stellten fest: Eigentlich war er noch in Funktion, unter dem alten Boden gluckerte in einer Betonröhre Wasser, ab und zu waren hier Schächte eingesetzt, in denen wir das klare kalte Wasser mit kleinen Fischen darin laufen sahen. Khettara Aufrichten konnten wir uns immer nur in den Zugangsschächten. Was mus das für ein harter Job gewesen sein, das System zu graben und zu pflegen!
Einst waren zahlreiche Oasen-Orte über derartige Röhren überhaupt erst lebensfähig, manchmal gab es soger mehrere zur Versorgung eines Ortes. Deshalb gibt es von derartigen Systemen einige in Marokko. Aber leider werden sie heute oftmals zu Mülldeponien umgewandelt. Wir meinen: Ein Jammer um diese erhaltenswürdigen unterirdischen Monumental-Bauwerke!

weiterführende Informationen:

gpx-Dateien für PC + Navi
Wikipedia: Qanate - Khettaras

Bildrechte Abbildung oben "Khettara Schnitt": "Qanat cross section.svg" von Samuel Bailey [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons