Aït Bougoumez-Tal, Agouti + Tabant, Aït Bou-Oulli

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Aït Bougoumez-Tal
• apfel- und nussplantagen in 1800 m höhe • der mosesberg • auf den spuren von dinosauriern • störche, frösche, störche • souk in tabant • im canyon ohne fluchtwege • berberaffen • pilzfelsen • eine naturbrücke mit stalaktiten •

Tagelang kann man im herrlichen Tal wandern, beginnend mit der Ruine vom Ighrem Sidi Chita (Sidi Ichta?) auf einem Hügel, der optisch das Aït Bougoumez-Tal (auch Aït Bouguemez-Tal) vielleicht mehr prägt als der, auf dem das Agadir Sidi Moussa steht: Sidi Chita Mitten in der Ebene steht er da wie aufgeschüttet; die Nordseite bewaldet und grün, die Südseite kahl, ohne jegliche Vegetation. Ein kurioser Anblick, den dieser Hügel mit noch einem weiteren hier im Tal teilt. Zum Bild des Tales gehören natürlich noch die Apfel- und vor allem die Walnussplantagen. Letztere wachsen hier auf über 1800 m Höhe zu einem Alter und somit zu einer stattlichen Größe heran und tragen für unsere Maßstäbe gewaltige Nüsse.
Aber natürlich ist das Wahrzeichen des Tales Sidi Moussa, der kreisrunde Lehmspeicher. Wohl etwas älter als die anderen Burgen hier beinhaltet dieser auch ein Marabout – der Name sagt es. Das hervorragend erhaltene Bauwerk kann man besichtigen. Auf eine Felskuppe gebaut, ist der Speicher mehretagig angelegt aber durch das Gefälle des Berges sind es eher halbe Etagen, über die wir kletterten. Der Grundriss bedingt es: Natürlich können dann die Gänge innen nicht geade aus verlaufen. Dadurch unübersichtlich, zudem teilweise stockdunkel bekamen wir eine kleine brennende Kerze ausgehändigt. So konnten wir den Vorraum mit der Sitzbank ansehen, wo auch einige Gebrauchsgegenstände der Vergangenheit gezeigt wurden. Von hier aus geht es in einen zentralen Raum, von dem mal nach oben, mal nach unten in die verschiedenen Gänge abzweigen. Die äußeren sind die Wehrgänge mit den schmalen Lüftungsschlitzen, die den Blick nach draußen und die Verteidigung gestatten, von den inneren Gängen gehen die Kammern ab. Vom Dach aus hat man eine hervorragende Rundumsicht auf die Weite des Tales mit den umliegenden deutlich höheren Bergketten.

Dinosaurier Der heutige Bereich zwischen Demnate, Imi Nifri und dem Aït Bougoumez-Tal mit seinem weiteren Umland ist auch bekannt als eine Gegend, in der im Jura, also vor ~150…200 Millionen Jahren die Dinosaurier unterwegs waren. Damals sah es hier aber ganz anders aus: Vom Atlas keine Spur, er ist mit seinem Alter von ca. 65 Mio. bis 1,8 Mio Jahren gegen die Dinos ein echter Youngster. Erst der Anti-Atlas mit seinen 300 Mio Jahren könnte eine Grenze für die Fleischkolosse dargestellt haben. Ansonsten war auf dem weltweiten Festland des Superkontinentes Pangäa Platz genug. Vor 180 Mio Jahren begann er, auseinander zu driften und es bildeten sich daraus zuerst 2 Kontinente: Laurasia im Norden und Gondwana im Süden. Deshalb findet man viele Saurier-Sorten heute weltweit. Aber Funde beweisen (und wen wundert's?): Zwei Sorten befanden es genau im Bereich des heutigen zentralen Atlas-Gebirges Marokkos als so schön, dass diese offensichtlich hier nicht weg wollten. Das spiegelt sich auch in deren Namen wieder. Die pflanzenfressende Atlas-Echse Atlasaurus imelakei aus der Familie der Sauropoden wurde bis zu 5m hoch, 15m lang und wog ca. 22 Tonnen. Die fleischfressende Berberechse Berberosaurus liassicus, ein Theropode aus der Gruppe der Ceratosauria, wurde 2,2m hoch, 6m lang und brachte nur 1 Tonne auf die Wage.
Ob es die Stapfen von diesen beiden waren, die wir hier hauptsächlich gesehen haben? Leider haben wir bisher keine oder (z.B. was die Abmessungen angeht) sehr widersprüchliche weiterführenden Informationen gefunden.
Dino Ibaqalliwn Wir wissen nur aus den wissenschaftlichen Forschungsergebnissen: Hier waren vor allem die mit 2 Metern eher „kleinen“ bis zu 70 km/h schnellen, auf zwei Beinen mit selten über 25 cm langen dreizehigen Füßen laufenden und fleischfressenden Theropoden und die bis zum ca. 30 m langen pflanzenfressenden Sauropoden mit Schuhgröße 60 (cm) recht zahlreich in der weiten Wald- wie seenreichen, schlammigen und moorigen Ebene unterwegs.(Angeblich wurde ein Exemplar mit 90 m Länge gefunden!?!) Hier haben sie uns immer wieder in verschiedenen Ecken eine Menge Fußspuren hinterlassen. Insgesamt soll es in dieser Region mehr als 150 Fundstellen geben, so auch Abdrücke von großen Theropoden (Carnosauriens) und Ornithopoden.
Wir fanden nicht ganz so große Dino-Spuren wie oben beschrieben gleich bei Imi n'Ifri, bei Aït Blal, in Aguerd n'Ouzrou und auch in Ibakliwin (auch Ibaqalliwn, Ibakliwin, Ibaquallioun oder Ibaqlioun): Mal auf schräg angeordneten Platten aber auch wieder auf senkrechten Wänden sind zumeist die großen 60cm-Stapfen der Sauropoden und 20 cm große Abdrücke von Theropoden zu sehen. Die Spuren an den senkrecht stehenden Wänden erklärten wir uns mit der erst nachträgliche Faltung zum Gebirge. (Schlecht vorstellbar, dass diese tonnenschwere Kolosse an diesen Wänden hochgelaufen sind.) Weitere Eindrücke befinden sich in Timit (Timmit) am Mosesberg unterhalb von Sidi Moussa.
Aber welchem Zufall verdanken wir es, dass nun ausgerechnet gerade diese Schichten mit den Dino-Spuren frei liegen? Aber da hier Wissenschaftler aus aller Welt forschen und dokumentieren, wird das alles seine Richtigkeit haben.

Das Wetter hier war im Juli gut erträglich, oft war es bewölkt und am Nachmittag schob sich das ein oder andere kleine Gewitterchen am Horizont hoch, vergoss ein paar Tropfen, die aber nicht zu einer nachhaltigen Nässe führten. Wir kamen uns eher vor wie in Südeuropa als in Afrika. Die Temperaturen waren immer angenehm, tags mögen es um die 30, nachts um die 20 Grad gewesen sein. Alles war saftig grün und fruchtbar, überall plätschert Wasser in den Bewässerungsrinnen. Frösche quaken und sind ein hervorragendes Futter für die vielen, vielen Störche, die überall auf den Häusern, Ruinen und Bäumen ihre großen Nester gebaut haben und fröhlich von Zeit zu Zeit alle gemeinsam vor sich hin klappern.

Aït Bougoumez So kann man bei Wanderungen und Spaziergängen bei angenehmem Klima allerlei interessantes entdecken: Da sind die zahlreichen kleinen Dörfer mit ihren Lehmhäusern, teilweise stehen Tighremts, Wohnspeicher dazwischen. Einen für uns besonders interessanten fanden wir in Akourbi, der so an einen Abhang gebaut ist, dass er auf einer Seite 3, auf der anderen Seite aber 5 Etagen hat. Beeindruckend sind auch die hin und wieder erhaltenen Verzierungen an den Bauwerken. Eins in Aguerd n'Ouzrou hatte es uns besonders angetan: Hier fielen die Fensterrahmen, die alle unterschiedlich waren, auf.
Empfehlenswert und interessant ist der Souk sonntags in Tabant entlang der Durchgangsstraße, am Sonnabend ist Viehmarkt. Wie üblich bietet der Sonntagsmarkt alles, was denkbar ist: Vom Baumarktbedarf über Kosmetikartikel bis hin zu Haushaltwaren. Dazu gehörend ein kleiner Tiermarkt, es wird direkt geschlachtet und das Fleisch sofort verkauft. Assif Arous Ein großer Platz am Dorfende unterhalb des Schlachthauses ist den Eseln und Maultieren als Parkplatz vorbehalten. Hier hat auch gleich ein Hufschmied seine Hufeisen und sein Werkzeug ausgebreitet und bietet „Fußpflege“ an.
Besonders beeindruckend ist ein Ausflug zur Schlucht des Assif Arous: Aus der Ebene kommend ist der Fluss gar nicht als solcher wahrnehmbar; man sieht hier nur einen schmalen Spalt, teilweise nur wenige Meter breit. Hat man einen Zugang gefunden, kommt man aus dem Staunen nicht raus: Viele Meter unter diesem Spalt ist die Schlucht zu einer stattlichen Breite ausgewaschen, teilweise gerade in den Kurven sieht man oftmals den Himmel nicht. In diesem Canyon kann man gut spazieren gehen. Nicht vorstellbar ist das nach einem richtigen Regen in den Bergen, von dem man ja hier unten gar nichts mitbekommen haben muss… So schnell wie man dann möchte und sollte, kommt man hier wahrscheinlich nicht weg!

In der Gegend um Aït Bou-Oulli hatten wir Dörfer mit einige sehr schöne Tighremts entdeckt, welche uns dann auch noch 2 Tage lang beschäftigten. Wir hatten das Gefühl, dass sie in der Mehrzahl noch in Nutzung sind, von Ighrem n'Baroud waren wir so angetan, dass wir noch in einem zweiten Versuch vergeblich probiert haben, Zutritt zu erhalten. Zurück zu Hause lasen wir dann bei Salima Naji in "Greniers collectifs de l'Atlas: Patrimoines du Sud marocain", dass hier Ausländern grundsätzlich der Zutritt nicht gestattet ist.
Berberaffen Auf dem Weg dorthin beobachteten wir direkt vor uns eine Horde Berberaffen, die gemütlich die Straße überquerte und Nahrung suchte. Wieder eine marokkanische Besonderheit: Berberaffen gibt es wohl inzwischen fast nur noch im Hohen Atlas Marokkos.
Hier im Tal gab es auch besonders häufig sogenannte „Pilzfelsen“: Durch die natürliche Erosion wurden weiche Schichten, die unter aufliegenden, härteren liegen soweit weg gespült, dass nur noch ein dünner "Stil" unter einen "Schirm" verblieben ist. Da kommt es zu den kuriosesten Formen bis hin zu "Felspyramiden", wo der "Schirm" dann abgestürzt und der "Stil" somit nicht mehr geschützt ist.

Auch in der weiteren Umgebung vom Aït Bougoumez-Tal gibt es interessantes zu entdecken, möglicherweise auch auf dem Weg nach Marrakesch zu besichtigen:
Weitere „les traces de dinosaures“, Dino-Spuren befinden sich bei Aït Blal. Hier sind in der nahezu senkrechten Felswand die Abdrücke einer Herde der kleinen Theropoden gut erkennbar. In Iwariden, (Iwaridène, Iwaredn) gibt es ein kleines eingemauertes Areal. Auf den schrägen roten Platten haben wir einige Eindrücke gefunden und unweit von hier gibt es noch mindestens zwei weitere Fundstellen.
Nur noch wenige Kilometer sind es dann bis Imi n'Ifri (Imi-n-Ifri), kurz vor Demnate. Hier führt die Straße über eine vielleicht 50 m tiefe Schlucht. Aber als Brücke dient der Fels und darunter hat die Natur ein gewaltiges Tor in diesen gebrochen. Das Naturtor bzw. die Naturbrücke ist offensichtlich als Ausflugsziel der Marokkaner sehr beliebt: Vor allem Familien kommen am Wochenende mit Picknick-Körbchen, Decken und kleinen Tischen und Hockern beladen, um den steilen Zick-Zack-Weg in die Schlucht hinab zu steigen und unten am kleinen Rinnsal zu sitzen. Wir stiegen auch herab, durchquerten mit einigen anderen das Tor mit seinen Stalaktiten und seinen Vogelnestern, um an der anderen Straßenseite wieder nach oben zu steigen.