Amtoudi

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Amtoudi Panorama Id Aissa
• fische am rand der sahara • drei ausnahme-berberburgen • felsgravuren und dendriten • in einer khettara • badepause •

Aguelloui

Bilder sagen mehr als Worte: Aus einer kargen Tiefebene kommend liegt in atemberaubender Schönheit der langgezogene grüne Ort in einem tiefen Einschnitt zwischen zwei Felsenketten. Hier endet die Straße, Autoverkehr gibt es also nahezu kaum. Und auch sonst strahlt der Ort eine herrliche Ruhe aus. Wir waren zuerst im Juli während des Ramadan dort, der Ort schien im Tiefschlaf zu liegen. Das ist nicht immer so, hier findet ansonsten auch das Leben mehr auf der Straße statt. Zwei Einkaufsmöglichkeiten haben wir kennen gelernt – hier wird Einkaufen noch zum Erlebnis, wenn man kein arabisch spricht!
Palmen, Feigen und Mandelbäume sind entlang der leise plätschernden Bewässerungsrinne zu finden, die Häuser sind etwas oberhalb davon an den steinigen und kahlen Hängen angesiedelt. Hoch über dem Tal thronen zwei imposante Igoudar (Mehrzahl Agadir, Speicherburgen), die den Menschen vor einigen hundert Jahren zur Aufbewahrung ihrer Vorräte und als Schutz vor feindlicher Belagerung dienten. Agadir Id Aissa mit einigen Felsgravuren (Petroglyphen) an seinem Fuß sowie im Inneren und auch der benachbarte Agadir Agellouy können nach Vereinbarung mit dem Wächter, dem Amin unten im Ort besichtigt werden.
Felsgravur Die in Aït Herbil liegende Oase Amtoudi bietet aber bei genauerem Hinsehen noch viel, sehr viel mehr als "nur" diese beiden repräsentativen und restaurierten Bilderbuch-Berberburgen in malerischer Oasen-Landschaft. Davon gibt es hier noch einige mehr: Agadir Timoulay n'Ouamloukt Lalla Mlouka sowie ein weiterer Ausnahme-Speicher, einer der ältesten überhaupt aus dem 11. Jahrhundert, die Speicherburg Meherz (Amharze). Hier ist ein Agadir auf der Felskuppe mit einem in der Steilwand verbunden, zusätzlich sind in dieser Wand noch zahlreiche Bienenstöcke zu finden, die als weiterer Schutz der Burg genutzt wurden. Targa-n-Khadyr Ebenfalls von ursprünglicher Besiedlung zeugen die mysteriösen Hinterlassenschaften des Großdorfes Targa-n-Khadyr in absolut vegetationsloser Umgebung, deren Alter und Zweck bislang weder Archäologen noch Historiker sicher klären konnten.
In Aït Herbil gibt es zahlreiche Felsgravuren aus verschiedenen prähistorischen Epochen. Hin und wieder findet man Dendriten, bäumchen- oder strauchartige Kristallstrukturen auf den Steinplatten, die auch von den Einheimischen gern für Fossilien gehalten werden. Es gibt (möglicherweise an die 500 Jahre alte) Qanate, die in Marokko als Rhetaras und Khettaras bezeichnet werden. Khettara Das sind unterirdische, einst von Sklaven-Hand gegrabene Wasserleitungen, die die Oasendörfer teilweise bis heute mit Wasser aus den nahen Bergen versorgen. Die heiße, heilige Quelle der Lalla Melaka befindet sich hier.
Außer viel Ruhe und der Möglichkeit, zwischen den Palmen und den darunter angesiedelten kleinen Gärten spazieren zu gehen, laden im weiteren Verlauf des Tales in einer schmalen Schlucht kleine, von klarem Wasser durchströmte Gumpen (auch Kolke oder Gueltas genannte beckenartige Strudeltöpfe), zum Baden und Verweilen ein. Ganz allein ist man hier aber nicht, Frösche und zahlreiche helle wie flinke, bis zu ca. 8 cm große Fische leisten einem Gesellschaft. Wir fragten uns immer wieder, wie diese hierhergekommen sein könnten, bis wir in dem Buch "Ins Herz der Sahara" von Dr. Werner Wrage über ein Erlebnis am Rande der algerischen Sahara lasen:

"Dann stehen wir plötzlich am Talschluß vor einem kreisrunden Teich. ... Er scheint mir der Rest eines Kolkes zu sein, der von einem Wasserfall, dessen Spuren man noch deutlich erkennen kann, im Pleistozän ausgestrudelt wurde....
Amtoudi Bad im Gumpen Dorthy ruft mich, sie hat etwas sehr Aufregendes entdeckt. In dem Wasser schwimmen kleine Fische. ... Seit langem ist bekannt, daß in einigen verstreuten Wasserlöchern der Sahara Fische leben, in Wasserlöchern, die keinerlei Verbindung miteinander haben. Man hat daran gedacht, daß Laich vielleicht durch Vögel verschleppt wurde. Aber das ist unwahrscheinlich. Es muß sich um Reste aus der Zeit handeln, in der die Sahara von mächtigen Strömen durchzogen war und in den Senken … weite Seeflächen in der Sonne glitzerten. ...
Es scheinen Zahnkärpflinge zu sein. Diese winzigen Tiere pflanzen sich in den kleinsten Aquarien fort - manchmal sogar in einem Marmeladenglas. Sie ertragen überdies starke Temperaturschwankungen ..."

Tigmi Ouglid Hat man Fischbeobachtung und Badeausflug beendet, kann man auch ausgedehnte, schöne Trekking-Touren auf den langgezogenen Hochplateaus unternehmen. Eine schöne Tour verbindet z.B. die beiden großen Igoudar, auch hier sind wir wieder auf Felsgravuren gestoßen. Ein Ausflug könnte auch nach Taghjijt gehen, verbunden mit einer Wanderung zu einem der ältesten Denkmäler im Almohaden-Stil in Südmarokko. Hier gibt es auf einer Anhöhe mit herrlichem Rundum-Blick die Reste des alten Sultanspalastes Tigmi Ouglid mit seinem restaurierten Portal aus dem 12. Jahrhundert.
Amtoudi und seine nähere Umgebung ist ein herrliches Fleckchen Erde, an dem man länger als nur 1 oder 2 Tage verweilen sollte!

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Linksammlung mit vielen Bildern von Amtoudi und Aït Herbil (Amtoudi auf facebook):

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